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Forum
Adieu Forain
Regie: Daoud Aoulad-Syad, Marokko
1998, 90 min.
Allein über den Farbeinsatz darf man sich halb hibbelig freuen. Ich habe bislang noch
nirgendwo ein so stimmiges (ja-was-eigentlich?) Rosa-Orange-Gelb gesehen, in das
vorsätzlich ein fettes Blau reingeknallt wird. Die Geschichte über eine eigentümliche
Freundschaft zwischen einem Schausteller, seinem Sohn und einem Tänzer wird von einem
melancholischen Grundton getragen, von verlorenen Idealen und geheimen Hoffnungen.
Marokkanisches Kleinod.
Adrenaline Drive
Regie: Shinobu Yaguchi, Japan 1999,
111 min.
Lustiges Filmchen über zwei leicht verhuschte und tapsige Figuren, ein Mann und eine
Frau, die durch einen Zufall an einen Haufen Yakuza-Geld gelangen. Dabei werden sie vom
krankenhausreifen Oberschurken und einer Gruppe dämlicher Möchtegern-Gangster verfolgt.
Macht einfach Spaß.
Damenwahl
– Szenen aus dem Abendland
Regie: Viola Stephan, BRD 1999, 80
min.
Die persönlichen Portraits ihrer erfolgreichen Freundinnen scheinen die Regisseurin in
arge Konflikte gestürzt zu haben. Nach dem Dreh verbrachte sie sechs Monate im
Schneideraum, um dann doch noch einige Szenen nachzudrehen. Es ist aber auch schwierig,
bei der Fülle des Materials eine angemessene Form zu finden, die alle Seiten zufrieden
stellen soll, ohne Gefahr zu laufen, entweder auf ein gelangweiltes Publikum zu treffen
oder die Freundschaft gekündigt zu kriegen.
Die Form, die sie schließlich gefunden hat, versöhnt das Publikum mit dem trockenen
Humor der Protagonistinnen und zeigt weitgehend nur die positiven und erfolgreichen Seiten
der Frauen. Kritische Rückschau oder Selbstzweifel kommen nicht zur Sprache, aktuelle
Problemchen werden mit Selbstironie entschärft. Was die Regisseurin möglicherweise
darüber hinaus zeigen wollte, konnte sie uns nicht mitteilen, da sie angeblich darüber
noch nicht nachgedacht hatte. Warum sie dann allerdings so lange an dem Film
herumbastelte, weiß der Geier. Der Film jedenfalls erntete rauschenden Applaus, der aus
den vollbesetzten Reihen der zahlreichen SymphatisantInnen kam.
Dealer
Regie: Thomas Arslan, BRD 1998, 74
min.
Was in diesem erstaunlichen Film aus deutschen Landen trotz seiner beeindruckenden
Schauplatz- und Farbwahl leider immer wieder die Atmosphäre zerstört, sind seine
hölzernen Dialoge. Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn man sich Laien vor
die Kamera holt, die ihre Sprache in das Geschriebene einfließen lassen, um eben zu
erreichen, dass es authentischer und ungezwungener klingen soll. Klappt aber nicht.
Schade, sehr schade.
Denn davon abgesehen sieht es so aus, als kämen die aufregendsten Filme aus Deutschland
von der jungen Generation türkischer Einwanderer. Sie haben ein spannendes Konfliktfeld
entdeckt, das gerade auch vor dem Hintergrund unsäglicher Unterschriftenaktionen die
größtmögliche Beachtung verdient.
Janmadinam
Regie: Suma Josson, Indien 1997, 105
min.
Ein indischer Film, in dem nicht gesungen wird und der kürzer als drei Stunden ist.
Auf Chronologie wurde weitgehend verzichtet, Sprünge in die und aus der Vergangenheit
erfolgen per Überrumpelungstaktik. Für Irritation sorgt mal wieder die
Postsynchronisation, die jeden Seufzer ins Hochdramatische steigert und den akustischen
Raum auf wenige Millimeter reduziert. Ich bin ja bereit meine arroganten westlichen
Seh- und Hörgewohnheiten regelmäßig zu revidieren, aber muss das auf diese Weise sein?
Mit der metaphernreichen Bebilderung und den satten Farben hatte ich schon genug zu tun.
killer.berlin.doc
Regie: Bettina Ellerkamp u. Jörg
Heitmann, BRD 1999, 70 min.
Die Idee für dieses Experiment war sehr nett, lehrreich und streckenweise auch
amüsant. Einige Beteiligte redeten sich um Kopf und Kragen, aber so Labertaschen gibt es
eben, andere entwickelten wundervolle spontane Ideen, die für ersteres entschädigten.
Die Macher konnten sich allerdings bis zum Schluss nicht entscheiden, ob sie lieber einen
Film über Berlin aus dem Blickwinkel recht unterschiedlicher Leute machen wollten oder
einen Film über die Beteiligten und ihre Reaktionen über dieses halbfiktive
Killer-Spiel. Im übrigen gilt: Nicht jede unscharfe Videokameraeinstellung ist Kunst.
Les Casablancais
Regie: Abdelkader Lagtaa, Marokko
1998, 89 min.
Noch ein schöner Film aus Marokko. Drei Geschichten werden miteinander verwoben.
Moderne trifft auf Tradition, Mut auf Feigheit, Behördenarroganz, Duckmäusertum und
falsche Freunde. Das ganze bewegt sich des öfteren am Rande des Absurden, könnte von
daher also glatt wahr sein.
Lila Lili
Regie: Marie Vermillard, F 1998, 105
min.
Micheline ist schwanger, wohnt im Frauenhaus, stellt ihr Zimmer einem Freund zum
Übernachten zur Verfügung, feiert bei einer Taufe mit, wo die Kinder dann doch nicht in
den Fluss fallen und so weiter und so weiter, bis sie die Kamera wieder
verlässt,
während sie gerade in den letzten Wehen liegt.
Das, was uns so dokumentarisch erschien, werden wir nach der Vorstellung aufgeklärt, war
genau geplant und der Text bis auf wenige Ausnahmen auch nicht zum freien Vortrag
freigegeben. Wir sollten einfach nur einer Frau beim Leben zuschauen, ohne auf
Erklärungen zu hoffen. Tja.
Lospite
Regie: Alessandro Colizzi, Italien
1998, 85 min.
Dieser Film bietet ausreichend Gelegenheit, sich im Auffinden von
Goofs zu
betätigen, das macht ihn sehr lustig. Es war nicht zu klären, mit wieviel Geld der
Vatikan dieses Melodram gesponsort hat, aber er war mit dem Ergebnis sicherlich zufrieden.
Reaktionäres Machwerk.
Mektoub
Regie: Nabil Ayouch, Marokko 1997, 90
min.
Krimi aus Marokko, der die Themen Frauendiskriminierung, Politskandal, Bruderzwist,
Hanfanbau, Stadt und Land unterbringt, sich zum Raodmovie entwickelt und dafür in
Landschaft, Farben und Stimmungen schwelgt, dass es eine wahre Wonne ist. Ab in die
Kinos.
Okraina
Regie: Pjotr Luzik, Russland 1998, 95
min.
"Dead Man" auf russisch. Bilder von surrealer Kraft, Gesichter wie
Landschaften, groteske Gewaltausbrüche, absurder Humor. Am Ende liegt Moskau in Schutt
und Asche, und die Bauern ziehen mit ihren Traktoren über ihr zurückerobertes Land.
Eisenstein wäre stolz auf sie.

Rose e Pistole
Regie: Carla Apuzzo, Italien 1998, 81
min.
Junges Pärchen flüchtet vor eifersüchtigem Ehemann und bosnischem Killer. Dabei wird
der eigentliche Erzählstrang des öfteren zugunsten skurriler Nebenereignisse verlassen,
die am Ende überraschenderweise teils wieder zusammengeführt werden. Könnte in Italien
ein echter Renner werden.
The Hitman
Regie: Stephen Tung Wai; mit Jet Li,
Honk Kong/China 1998, 102 min.
Hongkong-Klopper. Für die Mitternachtsvorführung im Delphi also genau das richtige.
Außerdem finde ich es immer so nett, dass in diese Filme so kleine, hutzelige Ömmchen
reingehen und sich anscheinend prächtig amüsieren - als würde bei uns der Rentnerclub
in "Die Hard" gehen.
The Quiet Family -
Choyonghan kajok
Regie: Kim Ji-Woon, Korea 1998, 98 min.
Für einen selbsternannten Horrorfilm (was er definitiv nicht ist) ist Langatmigkeit
das schlimmste. Hätte ein netter, lustiger Kurzfilm werden können.
Trans
Regie: Julian L. Goldberger, USA 1998
(?), 80 min.
Dokumentarisch anmutender Ausreißerfilm, der es einmal gerade noch schafft, knapp am
Klischee vorbeizuschrappen; als der Held nämlich eine geklaute Pistole zieht, während
gerade die Polizei auftaucht. Glücklicherweise überspringt der Film einfach das fast
unvermeidlich daraus Resultierende und lässt seinen Protagonisten unbeschadet entkommen.
Uffz.
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