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Home >>> Kino: Festivals >> Berlinale 1999 > Wettbewerb

Wettbewerb
  

  

8mm – Eight Millimeter

Regie: Joel Schumacher, Mit: Nicolas Cage, Joaquin Phoenix, Peter Stomare, USA 1998, 125 min.
Eight MillimeterBullshit. Schlimm genug, dass es auf dieser Welt so viele Klischees gibt, aber muss man sie wirklich alle in einem einzigen Film verwenden?
  
Die liebende Gattin wartet nebst Kleinkind im trauten Heim, während der Mann in die Wildnis zieht, dem Perversen als solchem das Handwerk zu legen. Entsprechend hysterisch reagiert sie natürlich als er zu spät zum Essen kommt, ohne sich vorher abgemeldet zu haben. Erklären kann er ihr selbstverständlich nichts, dafür watet er gerade durch dickes Blut.
  
Und ich dachte, das Thema "Selbstjustiz" wäre in den späten Achtzigern wegen akuter Dumpfbackigkeit in den Keller verbannt worden. "Warum?! Warum hast du es getan?!" fragt der Held mit vorgehaltener Knarre den Bösen Buben. Genau dasselbe möchte man den Regisseur fragen: "Warum?!" – "Wegen des Geldes." – BUMM! Doch, das hat was Heilsames.
  
Der Showdown findet dann tatsächlich auf einem Friedhof (!) statt, es ist Nacht (!!) und es regnet (!!!). Hier erfasst mich wirklich das Grauen – aber anders als sich das der Regisseur gedacht haben dürfte.
  

eXistenZ

Regie: David Cronenberg, Mit: Jennifer Jason Leigh, Jude Law, Willem Dafoe, Ian Holm; CAN/GB 1998, 108 min.
Ein halbekliger Cronenberg, bei dem man meist nur an der Frisur von Jennifer Jason Leigh erkennen kann, in welcher Spiel- oder Realitätsebene man sich jetzt wieder befindet. Irgendwann blickt man gar nicht mehr durch, dann darf der Regisseur "Ha!" rufen, weil das ja seine Absicht war, der Schelm, der. Möglicherweise ist es einem aber auch irgendwann egal.
  

Günese Yolculuk

Regie: Yesim Ustaoglu, Mit: Nazmi Oirix, Newroz Baz, Mizgin Kapazan; Türkei/NL/BRD 1999, 105 min.
Wegen seiner kurdisch-türkischen Thematik und den Ereignissen, die zur gleichen Zeit in Berlin stattfanden, setzte sich der Film nahtlos in der Realität fort. Die Vorführung fand unter Polizeibewachung statt, und aufgrund der Informationsdefizite, die man als intensive Berlinale-Gängerin halt hat, verbreitete sich eine diffuse Verunsicherung, vor wem man jetzt eigentlich geschützt werden sollte oder wer hier überhaupt Angst-Gegner war.
  
Für seine inhaltliche Auseinandersetzung bekam der Film auch langen Applaus, seine filmische und dramaturgische Leistung war kaum Thema. Tatsächlich zerfasert er am Ende etwas, so dass der Schluss eigentlich jeden Moment kommen könnte, was ihm alle Spannung nimmt. Ab der letzten halben Stunde will der Film ein Roadmovie sein.
  
Trotzdem kann man ihm nur die allergrößte Beachtung wünschen, aber es ist fraglich, ob er gerade die Leute erreichen wird, die sich einer Auseinandersetzung mit dem Thema seit jeher stur verweigern.
  

Karnaval

Regie: Thomas Vincent, Mit: Sylvie Testud, Amar Ben Abdallah, Clovis Cornillac; F/B/CH 1998, 90 min.
Auch in anderen Ländern herrschen während des Karnevals raue Sitten, die nicht von allen Lebewesen überlebt werden. Hütet euch vor den Humor-Sektierern, das sind die grausamsten. Realitätsnaher Gruselfilm.

  

The Hi-Lo Country

Regie: Stephen Frears, Mit: Woody Harralson, Billy Crudup, Patricia Arquette, Cole Hauser, Penelope Cruz; GB/USA 1998, 114 min.
Hi-Lo Country Als Männer noch richtige Männer, Frauen noch richtige Frauen und Pferde noch richtige Pferde waren.  Das Cowboy-Zeitalter nähert sich seinem Ende, auch wenn uns die Marlboro-Werbung stets etwas anderes vermitteln möchte. Weil diese Werbung alle Bilder und Stimmungen ins trübe Wohlgefühl kuscheliger Lagerfeuer-Romantik und männlich-markanten Freiheitskitsches gelullt hat, kann man die brillanten Bilder dieses Films kaum noch unbedarft genießen, dauernd verspürt man Rauch in der Nase.
  
Die Handlung ist von erschütternder Banalität, und man fragt sich schon, was einen Regisseur wie Stephen Frears dazu getrieben haben mag, diese Geschichte unbedingt verfilmen zu wollen. Die Musik von Carter Burwell klotzt irritierend westernfrei über die Prärie und macht die Pferde scheu. Ruhig, Brauner...
  

  

© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Montag, 26. Juli 2004