Kino

Filme
  
Festivals
  
Aktion Sorgenkino
  
Coen-Brüder-Huldigung

  

Kunst

Selbstgeschriebenes
  
Selbstgezeichnetes

  

Kultur

Konzerte
  
Seinfeld

  

Kleinkram

Über mich / Impressum
  
frust-maus-chronicles
  
Links

  

Home >> Kino: Filme > Agata und der Sturm

Agata und der Sturm

"Es gibt keinen Ausweg. Die Welt ist erfüllt von dir. Alle Wege führen zu dir." Da steht er, der bildhübsche Nico (Claudio Santamaria), und himmelt Agata (Licia Maglietta) an. Agata ist im so genannten besten Alter - somit deutlich älter als ihr Verehrer -, Buchhändlerin mit Leib und Seele, Single und hat ihr Leben eigentlich ganz gut im Griff. Wäre da nur eben nicht Nico, der jeden Tag in den Laden kommt, um eine neue Buchempfehlung bittet und Agatas Hormonsspiegel ganz schön durcheinander bringt. Den "jungen Werther" nennt ihn ihre Kollegin Maria Libera schon, weil er so schön schmachtet und leidet und so traurig gucken kann.

Nico ist bei weitem nicht das einzige Problem von Agata. Ihr geliebter Bruder Gustavo (Emilio Solfrizzi) muss erfahren, dass er adoptiert ist - und dass er mit Romeo (Giuseppe Battiston) einen Bruder hat, der so chaotisch und unstet ist wie er eingefahren und festgelegt. Gustavo beschließt nicht nur, seine wenig erfreuliche Ehe hinter sich zu lassen, sondern auch sein gut gehendes Architekturbüro. Kurz: Er beginnt ein neues Leben, und Agata, die von der Adoption ebenfalls nichts wusste, muss kräftig um seine Zuneigung kämpfen - schließlich ist sie ja urplötzlich nicht mehr Gustavos "richtige" Schwester.

Und dann ist da noch diese rätselhafte Sache mit den Glühbirnen. Die pflastern nämlich seit einiger Zeit Agatas Weg. Wo immer sie ist, beginnen die Birnen erst heftig zu flackern und gehen dann mit einem Zischen aus. Die Tatsache, dass Agata permanent unter Strom steht, scheint ihnen zu viel sein - es kommt zum Kurzschluss. Sogar Ampeln geraten außer Kontrolle, wenn sie sich in ihrer Nähe aufhält, und als dadurch ein Unfall ausgelöst wird, bei dem der Vater von Maria Libera schwer verletzt wird, beschließt Agata, einen chinesischen Guru aufzusuchen, der ihr zu sanften Atemübungen am Morgen rät. Das hilft zwar Agatas Seelenzustand ein wenig, kann aber den tragischen und rührenden Folgeereignissen nicht die Brisanz nehmen ...Agata und der Sturm

"Agata und der Sturm" ist ein durch und durch italienischer Film, daran ändert auch ein (sehr) kurzes asiatisch-besinnliches Intermezzo nichts: Die Charaktere sind liebenswert chaotisch auf der einen, und beneidenswert stark auf der anderen Seite, die (Landschafts-)Bilder sind hübsch anzusehen, und alles ist überzogen von einem so einlullend mediterranem Charme, der sich jeder scharfen Kritik irgendwie entzieht - vor allem, wenn es in Deutschland regnet und schrecklich kalt ist. Das war bei "Brot und Tulpen", dem Vorgänger von Regisseur Silvio Soldini, auch schon so: Entweder man mag es oder man mag es nicht, Punkt. Wenn man es mag, dann wird man selbst den ansonsten oft überfrachteten Texten aus der Pressemappe ausnahmsweise Recht geben. Der Film, heißt es da nämlich unter anderem, wärme die Seele "wie ein guter Cognac". Das stimmt tatsächlich. Natürlich, nicht jeder mag und verträgt selbst einen guten Cognac, aber ein wohliges Gefühl wird er bei jedem hinterlassen.

3 Punkte - Kritik von Heidi Keller

Regie: Silvio Soldini
Drehbuch: Doriana Leondeff, Francesco Piccolo, Silvio Soldini
Besetzung: Licia Maglietta, Giuseppe Battiston, Emilio Solfrizzi, Marina Massironi, Claudio Santamaria
Kinostart: 23. Dezember 2004

Vom gleichen Regisseur: "Brot und Tulpen"

  

© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Freitag, 29. Oktober 2004