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Home >> Kino: Filme > Alexander

Alexander

Es hat wohl einen Grund, dass diese historische Verfilmung vom Leben Alexander des Großen, die bis dato erst zweite Hollywood-Produktion ist. Bisher hatte sich außer im Jahre 1956 noch kein Regisseur an den größten Herrscher der Welt herangetraut. Alexanders Leben und sein Triumphzug Richtung Osten schienen wohl nicht auf Zelluloid darzustellen zu sein. Bis sich Oliver Stone entschloss, in das vierte vorchristliche Jahrhundert einzutauchen und mit "Alexander" sein erstes Sandalenepos hervorzubringen. Wer, wenn nicht Stone, der schon mit "The Doors", "JFK" und "Nixon" seine Affinität zu Biografien beeindruckendst bewiesen hat, sollte sich auch sonst an dieses Projekt heranwagen?! Aber das Wagnis hat seinen Preis. Die Zuseher haben in den letzten Jahren einige historische Epen vorgesetzt bekommen und wenn sie nicht schon gesättigt sind, dann haben sie nun wenigstens die Möglichkeit zu vergleichen und zu werten. 

Die Besetzungsliste liest sich zumindest mal viel versprechend. Colin Farrell als Alexander der Große, Angelina Jolie als seine Mutter Olympia, Val Kilmer als sein Vater Philipp und Jared Leto als Alexanders bester Freund Hephaistion. Einige werden nun, bevor sie erfahren, dass auch Anthony Hopkins und Christopher Plummer mit von der Historie sind, schon die ersten Bedenken äußern: Angelina Jolie als Mutter von Colin Farrell? Fehlt für diese Familienkonstellation nicht der natürlich-bedingte Altersunterschied? Natürlich, aber mit Hilfe von Make-Up lässt sich schon das eine oder andere Fältchen und graue Haar zaubern, was das zuständige Maskendepartment allerdings vergessen haben dürfte... Wahrscheinlich waren sie zu sehr mit Sir Anthony Hopkins und Val Kilmers Veränderungen beschäftigt, die in der Tat sehr gelungen sind. So muss man es wohl nennen, wenn man die Schauspieler erst beim zweiten oder dritten Mal Hinschauen erkennt.

Der Star ist aber zweifellos Colin Farrell, der sein Rebellen-Image ablegte und sich durch seine Rolle als Alexander zu einem richtigen Schwiegermutter-Schönling verwandelte. Kein Wunder, dass in der damaligen Zeit nicht nur Frauen hinter ihm her waren. Alexanders Hang zur Männerliebe stellt Oliver Stone zwar eindeutig, jedoch ohne große Veranschaulichung dar. Dennoch scheint die anzunehmende Alexander Bisexualität des Königs derzeit für mehr Diskussionen zu sorgen, als seine tatsächliche Herrschaft über Europa und Asien. Vielleicht liegt es daran, dass der Film es auch verabsäumt, dem Zuseher die Größe seiner Macht zu vermitteln. Alexanders Eroberungszüge - Studien zufolge hatte er 90 Prozent der damals bekannten Welt inne - gehen zwar von Makedonien bis nach Indien, aber den Sprung von der Leinwand in den Kinosaal schaffen sie nicht. Auch bei den Kampfszenen muss man weder wegen spektakulärer Stunts oder angewandter Brutalität die Luft noch wegen sentimentaler Kriegerfreundschaften die Tränendrüsen anhalten.

Wie erwähnt, alles schon dagewesen, zum Großteil besser und beeindruckender. Da hilft auch die musikalische Unterlegung von Vangelis nicht viel. Seine Kompositionen schaffen es nicht wie zum Beispiel bei "1492 - Die Eroberung des Paradieses" den Film zu unterstützen oder zu tragen. Alles in allem ist "Alexander" kein schlechter Film (in den fast drei Stunden schleicht sich auch kaum Langweile ein), aber der Funken, der nötig ist, um das Kino zufrieden zu verlassen, springt leider nicht rüber.

2 Punkte - Kritik von Marlene Frischmann

Regie: Oliver Stone
Besetzung: Colin Farrell, Angelina Jolie, Val Kilmer, Anthony Hopkins, Jared Leto
USA 2004
Länge: 176 min.
Kinostart: 23.12.2004

  

© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Sonntag, 12. Dezember 2004