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American Splendor
Mit "American Splendor" ist es wie mit dem vor einigen Jahren gelaufenen "Der Mondmann /
Man on the Moon": Eine amerikanische Legende wird besungen, die hierzulande kaum einer
kennt.
Es geht um Harvey Pekar, DEN Harvey Pekar (seht ihr, schon geht’s los). Harvey Pekar
also war ein verschlurfter, Jazz-Schallplatten und Comics sammelnder Krankenhausaktenarchivar mit einer ausgesprochen misanthropischen Grundeinstellung. Bei
einer seiner Flohmarkt-Züge lernt er den jungen Robert Crumb kennen, der sich gerade von
Grußkarten zu Underground-Comix emporstrichelt. Die beiden freunden sich an und so
ergibt es sich, dass Crumb nach Pekars Ideen dessen alltägliches Leben aufzeichnet. Bald
wird die Comic-Reihe "American Splendor" mit immer mal wechselnden Zeichnern ein großer
Erfolg, ein sehr großer Erfolg, eigentlich der "beliebteste US-Comic aller Zeiten"
(danach sind ihnen wahrscheinlich die Superlative ausgegangen).
Ein tragisches, komisches, seltsames und sehr sehr eigenwilliges Leben wird ausgebreitet
und in den wichtigsten Stationen angerissen - und wieder mal hat man das beschämende
Gefühl, dass wichtige Dinge an einem kilometerweit vorbeigerauscht sind. Das ist zum
einen zwar sehr schade, eröffnet aber zum anderen die Möglichkeit zu tief empfundener
Reue und dem festen Vorhaben, jetzt alles wieder gut zu machen. Wo war doch gleich der
nächste Comicladen? Und kann der uns wirklich helfen?
Der Film präsentiert einen Mix aus Real- und Zeichenszenen, die dem Medium Comic endlich
zu einer adäquaten filmischen Plattform verhelfen. Dazu werden noch Spiel- und
Dokumentaraufnahmen gemischt, die echten Personen treten neben ihren Darstellern auf,
Archivmaterial wird eingespielt, ein Off-Kommentar äußert sich zum gerade gedrehten Film
und bei all dem schaut vor allem der Hauptdarsteller tatsächlich wie eine Comicfigur
drein. Obwohl es nur um ein einfaches und (wie immer betont wird) ganz normales Leben
geht, wird eine immense Fülle an Material und Bruchstücken aufgefahren, deren Details
und Insider-Jokes sich kaum erfassen lassen. Einige Längen und einige vielleicht zu
selbstgefällige "Kult"-Ansprüche kann man in diesem kleinen, liebevoll ausgestatteten
Film getrost übersehen. Sollte, wenn es auf dieser Welt noch Gerechtigkeit gibt, am
besten als Lange Kinonacht mit oben erwähntem "Mondmann" und der Dokumentation "Crumb"
gezeigt und goutiert werden. Was allein das Rahmenprogramm noch an Möglichkeiten böte!
Das Leben ist ein Comic ist ein Film ist ein Comic ist ein Leben.
4 Punkte - Kritik von Judith Göbel
Regie: Shari Springer Berman, Robert Pulcini
USA 2003
Länge: 101 min.
Besetzung: Paul Giamatti, Hope Davis, Harvey Pekar, Joyce Brebnar, Judah Friedlander
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