Kino

Filme
  
Festivals
  
Aktion Sorgenkino
  
Coen-Brüder-Huldigung

  

Kunst

Selbstgeschriebenes
  
Selbstgezeichnetes

  

Kultur

Konzerte
  
Seinfeld

  

Kleinkram

Über mich / Impressum
  
frust-maus-chronicles
  
Links

  

Home >> Kino: Filme > Eine andere Liga

Eine andere Liga

Gemeint dürfte da wohl die Jugendliga sein. Zuschauermäßig. Denn wenn der Film für eine andere Zielgruppe konzipiert wurde, dann ist da etwas Grundlegendes falsch gelaufen. Schuld daran sind weniger die hauptsächlich jungen Akteure als die Aufbereitung der Geschichte an sich.

Bei der jungen Fußballethusiastin Hayat wird Brustkrebs festgestellt. Nach einer Operation will sie wieder zurück in ihr Team, ist dort jedoch nicht mehr willkommen. So schließt sie sich einem Haufen bunter Mädels an, die von Fußball so viel Ahnung haben wie Eskimos vom Hula Hoop tanzen. Aber Hayat schafft es, die Truppe zumindest zu motivieren, um dann zum Finale gegen ihre alte Mannschaft anzutreten.

Was wäre aber ein Jugendfilm ohne erste große Liebe? Also verguckt sich Hayat in ihren jungen Trainer Toni, dem sie aber ihre Gefühle nicht offenbart, da sie wegen ihres Krebses Angst vor Zurückweisung hat. Toni aber sieht in Hayats Krankheit kein Hindernis und möchte daher nicht nur das große Spiel gewinnen, sondern auch das Herz seiner Lieblingskickerin erobern.

Ob er das schlussendlich schafft, ist nicht schwer zu erraten. So auch der gesamte Handlungsstrang, der von Anfang bis Ende ziemlich leicht zu durchschauen ist. Der Film bringt keine Überraschungen mit sich, sodass man sich in dessen Verlauf nicht fragt, ob die vermuteten Ereignisse auch tatsächlich eintreffen, sondern nur, wann sie es tun. 

Das Merkwürdige an diesem Warten ist, dass die Story einen zwar wahrlich nicht mitreißt, aber überraschenderweise auch nicht langweilt. Interessanterweise passiert ähnliches bei zwei von den drei Hauptdarstellern. Karoline Herfurth als Hayat und Ken Duken als Trainer Toni schaffen es, dass man sich im Laufe der Geschichte des öfteren die Frage stellt, ob die beiden denn nun sympathisch sind oder nicht, und ob man ihnen denn ihre Charaktere überhaupt abnimmt. Auf unerklärliche Weise ist es kaum möglich, sich von den beiden eine eindeutige Meinung zu bilden.
Anders schon die Beurteilung von Thierry van Werveke, der Hayats Vater verkörpert. Er soll zwar den fürsorglichen Vater spielen, der sich hauptsächlich um die Gesundheit seiner Tochter sorgt, aber von Wärme und Herzlichkeit kommt dank seiner steifen Art nicht viel rüber. Außerdem wird sein Verhältnis mit allen beteiligten Personen sehr unrealistisch dargestellt. Vor allem bei der Taxiszene, wo er das erste Mal auf Toni trifft, fragt man sich schon, ob diese Geste jetzt ernst gemeint war oder einfach nur eine Verarschung der Story selbst. Da der Film aber offensichtlich keine Komödie ist, muss man wohl leider von ersterem ausgehen.

Mit dem Bewusstsein, dass dank der WM 2006 in nächster Zeit noch mehr Fußballfilme ins Kino kommen, ist "Eine andere Liga" kein Pflichtspiel. Aber wahrscheinlich sollte man "die Liga" überhaupt nicht mit anderen Geschichten um das runde Leder vergleichen, denn im Vordergrund stehen hier die Liebe, das Heranwachsen und das Leben mit einer Krankheit. Fußball ist in diesem Film - und so sollte es wohl auch sein - nur eine der wichtigsten Nebensachen der Welt.

2 Punkte - Marlene Frischmann

Regie: Buket Alakus
Besetzung: Karoline Herfurth, Ken Duken, Thierry van Werveke, u.a.
Deutschland 2005
Länge: 110 Minuten
Kinostart: 26.01.2006

  

© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Dienstag, 27. September 2005