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Home >> Kino: Filme > Anything Else

Anything Else

Nachdem der letztjährige Woody Allen-Film ("Hollywood Ending") aus was für Gründen auch immer nicht in unsere Kinos kam, müssen wir uns dafür jetzt echte Gedanken machen: Kleine bebrillte Männer fangen nämlich an, zu den Waffen zu greifen.

Dabei fängt alles als harmlos neurotische Liebeskomödie an. Jason Biggs verkörpert den Jungtexter Jerry Falk, der sich als Gagschreiber allmählich emporgearbeitet hat und nun mit einem Roman reüssieren Anything Else will. Unterstützt wird er seit Anfang an von dem etwas schmierigen, aber rührigen Manager Harvey (Danny DeVito). Dann tritt auch noch Amanda in Jerrys Leben, in die er sich verguckt und dafür seine alte Flamme sausen lässt. In etlichen Rück- und Vorblenden wird nun ihre Beziehung geschildert, dabei erfolgt so mancher Kommentar direkt in die Kamera. Als zusätzlicher Kommentator fungiert auch David Dobel (Woody Allen), der Gagschreiber-Kollege von Jerry. Mit ihm zieht er stundenlang diskutierend durch den Central Park. Dobel hat für alles eine Geschichte und einen Ratschlag parat, ob es um Jerrys Manager, seinen Psychiater, seine Zukunft, seine Freundin, seine Schwiegermutter, die individuelle Sicherheit oder um das Dasein als solches geht.

Womit wir also auch schon mittendrin wären - im Woody-Universum. Zwar spielt der Film ganz im heutigen New York, aber das ist angefüllt mit den ganz eigenen Woody-Menschen und vor allem Woody-Themen, also Juden, Sex, Neurosen, Amerika, Nationalsozialismus, die Welt - und noch immer lassen sich daraus erstaunliche Gags entwickeln. Doch zunehmend schleicht sich die Paranoia in die vertraute Umgebung. 

Während die Beziehungsgeschichte zwar als das Hauptthema des Films gehandelt wird, was wortreich und durch Christina Riccis Rolle auch leicht nervtötend durchgebracht wird, schimmert durch Allens Rolle eine zunehmende Radikalisierung. Bei allem Witz scheint plötzlich Schluss mit lustig zu sein, und was man vorher nicht ernstnahm und bis zum Schluss noch immer nicht ernst nehmen möchte, nimmt mehr und mehr Gestalt an: Es ist  gut mit New York bzw. mit dieser Welt, aber jetzt lass uns von hier verschwinden! So wie Dobler immer wieder seine "Rolle" als Jude betonen muss, sich dabei im Kreis und allmählich durchdreht, so nimmt Jerry Falk schließlich dessen alten Platz ein, womit die Geschichten von neuem beginnen können, aber im Zeichen des Aufbruchs.

Es stellt sich bei aller Witzigkeit eine gewisse Bitternis ein, die einen nicht so zufrieden aus dem Kino kommen lässt, wie man es gerne getan hätte. Gerade bei Allen, denn es tut doch so gut, ihn mal wieder gesehen zu haben. Wenn sich Falk und Dobler durch den Park palavern, dann könnten sie glatt dem anderen aktuellen Redenschwinger-Pärchen aus "Before Sunset" begegnen - und dann müssten sie sich gegenseitig die Menschen und die Welt erklären. Denn die Psychiater sind schon lange am Schweigen.

3 Punkte - Judith Göbel

Regie: Woody Allen
Besetzung: Jason Biggs, Christina Ricci, Woody Allen, Stockard Channing, Danny DeVito
USA 2002
108 min.
Produktion: DreamWorks
Verleih: Alamode Film
Kinostart: 02.09.2004

siehe auch:
- Celebrity
- Schmulspurganoven
- Im Bann des Jade Skorpions

  

© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Montag, 27. September 2004