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Alien vs. Predator
Hiermit beantrage ich, dass Verfilmungen von Videospielen ab sofort mit Arschkrebs und In-Gülle-Tunken geahndet werden.
Ein Satellit entdeckt tief im kompakten Eis der Antarktis eine unterirdische Tempelanlage. Das Bauwerk vereint merkwürdigerweise die Stile unterschiedlicher, untergegangener Kulturen und überhaupt - was macht es da im Permafrost? Ein röchelnder Milliardär beauftragt eine internationale Crew genau das herauszufinden. Als sie in der Antarktis an einer alten Forschungsstation ankommen, die direkt über dem Tempel liegt, entdecken sie, dass jemand in den letzten 24 Stunden bereits einen Tunnel zu dem Bauwerk gegraben hat. Anstatt schreiend wegzurennen und sich zünftig das Gesehene aus dem Hirn wegzusaufen, erkunden sie das Gebäude, dessen labyrinthische Gänge verwirrender sind als die Vorhersehbarkeit des Drehbuchs. Denn wo immer ein Schacht mit Glibbermasse auftaucht, weiß man, dass gleich wieder ein Nebendarsteller weniger mit sinnfreiem Text versorgt werden muss. "Lange geplant treffen die beiden berühmtesten Monster der Film- und Videogamegeschichte endlich aufeinander" (Verleihinfo). Und egal wer von beiden gewinnt, der eigentliche Verlierer steht jetzt schon fest: Der Zuschauer.
Ich hatte meine Erwartungen schon unter die Grasnarbe verlegt, und hegte deshalb den aberwitzigen Glauben, dass es somit eigentlich nur besser werden könnte. Außerdem sollten mit Lance Henrikson und Tommy Flanagan zwei wirklich überzeugend zerstört ausschauende Darsteller mitspielen, die man immer wieder gerne in fragwürdigen Nebennebenrollen entdeckt, weil sie einfach nach MEHR aussehen. Der Regisseur allerdings hat sich bislang eher mit Serien und dubiosen Filmen wie "Event Horizon" und "Resident Evil" hervorgetan; "Resident Evil" der Tragödie erster Teil, wohlgemerkt. Der Mann kennt sich also aus mit Videospielverfilmungen, weshalb wir entsprechend schnell handeln sollten (s.o.), bevor er weiteres Unheil anrichtet.
Gemäß den Gesetzen des Marktes soll also nun ein Zusammentreffen von gar schröcklichen Gestalten eine Potenzierung des Grauens bewirken. Zwar kämpften in früheren Zeiten schon mal King Kong gegen Godzilla und neuestens grad "Freddy vs. Jason", aber DIESES Treffen nun sollte alles Vorangegangene toppen. Allein, es wurd nix. Das Humorelement wurde von vornherein ausgeschlossen, blanker Horror war angesagt - und es endete in bodenloser Langeweile. Solche Ergebnisse nehm ich einem selbsterklärten Action-Horror-Fantasy-ScienceFiction-Thriller weitaus übler als ambitionierten Gutgemeint-Streifen. Weil, wenn ich mich schon auf sinnloses Geballer einstelle, dann will ich wenigstens unterhalten werden und gebe mich also schon mit einem winzigen Stückchen abseits des Allzubekannten zufrieden. Wenn das dann noch nicht mal eingelöst wird, werd ich ungehalten.
Nun ist das Überraschungsmoment bei einem Zusammentreffen der eben bekanntesten Monster in keinster Weise mehr vorhanden. Während die Protagonisten also noch rätseln, was das alles zu bedeuten hat und von einem Grauen ins nächste stolpern, weiß man als Zuschauer ganz genau Bescheid und würde gerne (wie im Videospiel) viel lieber mitballern als bei den erbärmlichen Flucht- und Rettungsversuchen mitfiebern zu müssen. Eine Erklärung für den ganzen Schlamassel wird - verpackt in kryptisch ausschauende, aber leicht zu entziffernde Hieroglyphen - noch zwischengeschoben, ist aber genauso überflüssig wie die gescheiterten Versuche der Autoren ihren Charakteren Glaubwürdigkeit oder gar eine "Geschichte" zu verleihen. Mit schöner Regelmäßigkeit wird ein Schauspieler geopfert, die internationale Besetzung wird internationales Futter. Das Ganze geschieht mit jugendfreiem Blick, soll heißen: Wir sehen einen Splatterfilm ohne Splatter. Man hört das bekannte "Aah!", "Örgx!", "Schlurp!" - und dutzendweise verschwinden die Statisten, ohne dass man sie vermissen würde. Zurück bleibt nur der Schleim. Die Aliens rotzen rum wie pubertierende Jungs, die ihr Revier markieren. Warum die Darsteller immer mit den Händen in den Alien-Rotz packen müssen, um sicher zu gehen, dass das Zeug wirklich eklig ist, hat sich mir noch nie erschlossen. Das ist wie in diesem Klassiker-Witz, wo jemand einen Hundekackhaufen seinem Kumpel unter die Nase hält und sagt: "Schau mal, wo ich eben fast reingetreten wäre!"
Ansonsten habe ich mir unter "Europäischem Film" irgendwie was anderes vorgestellt. Finanziert auch mit deutschem Geld wurde das Ganze nämlich in der preiswerten Tschechoslowakei gedreht, weshalb es einen Trostpunkt für den Abspann mit den ganzen schönen Buchstaben-Häkchen auf den Namen gibt. Womit die Produzenten also nicht Gefahr
laufen, ihr Geld in den Sand gesetzt zu haben - der Streifen hat ja quasi eh nichts gekostet.
Die "vs."-Reihe bitte ich noch um folgende Werke zu ergänzen:
Für Teenys: Langwierig vorbereitet treffen die grauenerregendsten Gestalten der Merchandising-Industrie endlich aufeinander: "Diddlmaus vs. Teletubbies". Und egal wer von beiden gewinnt, der eigentliche Verlierer steht jetzt schon fest: Scoubidou-Bändchen.
Für Theaterwissenschaftler: Kurzfristig angedacht treffen die miesesten Herrscher von
William Shakespeare endlich aufeinander: "Macbeth vs. Richard III." Und egal wer von beiden gewinnt, der eigentliche Verlierer steht jetzt schon fest: Romeo.
Für Gourmets: Spontan hochgewürgt treffen die Orientalen des Junkfood endlich aufeinander: "Döner Kebab vs. Nr. 34 extra scharf". Und egal wer von beiden gewinnt, der eigentliche Verlierer steht jetzt schon fest: Currywurst mit Pommes.
Das nur als Vorschläge zur Güte falls die Macher tatsächlich ein Sequel oder "Frogger vs. Donky Kong" planen sollten....
1 Punkt - Kritik von Judith Göbel
Regie, Drehbuch: Paul W.S. Anderson
Besetzung: Sanaa Lathan, Raoul Bova, Lance Henriksen, Colin Salmon, Ewen Bremner, Tommy Flanagan
GB, CAN, BRD, CZ 2003
Länge: 100 min.
Verleih: 20th Century Fox
Kinostart: 4. November 2004
Website mit Trailer: http://www.alien-vs-predator-derfilm.de
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