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Beyond the sea
Es sind die Brüche in einer Vita, die ihren Besitzer interessant machen und womöglich reifen lassen. Da gewinnt ein Hollywoodstar in kurzer Zeit zwei Oscars, kann sich vor Angeboten kaum retten und zieht es dennoch vor, Bush und seiner Heimat Lebewohl zu sagen. Kevin Spacey wird zum Europäer. Ein Theater hat es ihm angetan, das er fortan besitzen und als Intendant leiten wird, nämlich das altehrwürdige Old Vic in London, defizitär und seit langem von der Schließung bedroht.
Von London aus koordiniert er die Produktion an seinem ersten Spielfilm als Autor, Regisseur und Produzent: "Beyond the Sea", ein Biopic über das Leben des Sängers Bobby Darin. Obwohl zu größten Teilen in Babelsberg produziert, besitzt der Film alle Ingredienzien eines Hollywood-Streifens: Stars, eben Spacey, Bob Hoskins, Kate Bosworth und John Goodman in einer dramatischen Geschichte eines Jungen aus der Bronx, der dank seines überragenden Talents zum Pop- und Filmstar wird, aufwändige Kostüme und Requisiten, unterlegt mit einer eingängigen und wohlbekannte Swing-Musik.
Wie sein Darsteller, der 10 Jahre an dem Projekt arbeitete, legte auch Walden Robert Cassotto sein ganzes Herzblut in das Projekt "Bobby Darin". Im wahrsten Sinn des Wortes, denn Cassotto erkrankt früh an einem unheilbaren Herzleiden. Seine mitleidende Mutter, ein früher Vaudeville-Star, glaubt nicht an das nahe Ende ihres Sohnes und hofft, ihm durch die Kraft der Musik das Leben retten zu können. Geduldig erteilt sie dem schwächelnden Kind jahrelang Gesangs- und Klavierunterricht - und hat damit Erfolg. Cassotto überlebt, sein Herz erstarkt und er entwickelt als Sänger und Entertainer sogar richtiges Talent. Als Bobby Darin, wie er sich mittlerweile nennt, wird er mit "Mack the Knife", seiner fingerschnippenden, swingenden Interpretation von "Mackie Messer" aus der Dreigroschenoper über Nacht berühmt. Seine Karriere ist schnell und steil. Und hier ist der Film am besten. Einfühlsam erzählt er die junge Liebe zwischen Darin und dem Hollywoodstar Sandra Dee, Darins rasanten Ruhm und die langsam daran zerbrechende Ehe zwischen Dee und Darin. Am Ende der Geschichte wohnt Darin allein in einem Wohnwagen in Kalifornien, schreibt Protestsongs gegen den Vietnam-Krieg und ist wegen Beatles und Stones beinahe vergessen.
Aber weil "Beyond the Sea" wie ein Hollywoodfilm daherkommt, versöhnt sich Darin mit seiner Frau, seinen Freunden und seinen Fans und stirbt, wie es sich ein jeder Entertainer wünscht, bei einem Konzert auf der Bühne. Da ist er 37 Jahre alt.
Swing-Liebhabern und Spacey-Fans sei der Film wärmstens empfohlen. Besonders auch, weil es unglaublich ist, wie Spacey swingen kann. Schon allein seine zahlreichen Live-Gesangsperformances sind das Eintrittsgeld wert. Das gesamte Schauspielensemble ist sehr elegant geführt vom Firsttimer Spacey und auch er spielt, wie immer, gekonnt reduziert und akzentuiert in einer stellenweise doch arg dramatisierten Geschichte. Auch die Kulisse ist sehenswert und dem Nicht-Potsdamer sei gesagt: Schloss Sanssouci liegt wirklich in Brandeburg und nicht in Italien, wie es der Film behauptet. Das Schloss ist nämlich die Kulisse zu einem Darin/Dee-Spielfilm in der Toscana.
Spaceys Premiere im Old Vic am 7.2. war übrigens ein Riesenerfolg. Er spielt in dem Stück "National Anthems" den Nachbarn Ben, eine Rolle, die er 1988 schon einmal gab. Damals war er die Zweitbesetzung für Al Pacino und spielte diesen aus dem Stück. Oscars und weitere Starrollen folgten. Warum sollte sich Spaceys amerikanische Erfolgsgeschichte nicht auch in Europa wiederholen. Der Anfang ist gemacht.
4 Punkte - Kritik von Christoph
Brandl
Regie: Kevin Spacey
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