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Caché
Kann Cannes sich irren? Davon kann sich jeder selbst ein Urteil bilden, wenn nächsten Januar dem
deutschen Publikum der Goldene Palme-Preisträger für die beste Regie ins Kinohaus steht! Michael
Haneke zeigt uns dann in seinem neuesten Film die Realität, wie sie schonungsloser nicht sein
könnte.
In "Caché" treffen wir auf Georges und Anne Laurent, ein intellektuelles Pärchen in deren
Mittvierzigern, die eines Tages ein anonymes Video vor ihrer Haustür finden. Was darauf zu sehen
ist wird anfangs nur als Scherz eines Freundes ihres Sohnes bzw. als des eines fanatischen Fans
von Georges, der eine literarische Sendung im Fernsehen leitet, abgetan. Aber die Videos häufen
sich und zusätzlich bekommt die Familie auch noch mysteriöse Zeichnungen geschickt. Die Nerven
und das gegenseitige Vertrauen der Laurents werden immer mehr auf die Probe gestellt, als
Georges plötzlich in diesen Zeichnungen verdrängte Kindheitserinnerungen vermutet...
Wenn man keine Person ist, die sich schnell langweilt, dann trifft "Caché" einen gezielt in die
Mitte der emotionalen Zielscheibe. Mit langen, aber nicht unangenehmen
Einstellungen zeigt
Haneke seine Charaktere, deren Lebensräume und deren Gespräche wirklich sehr realitätsgetreu. Am
besten ist diese Nähe zum Normalo-Alltag auch an Juliette Binoche zu erkennen. Sie ist -
zumindest vom Namen her - zweifellos der Star des Films. Aber ihre Rolle verlangt keine
Zentralisierung auf ihre Person, sondern sie steht nur für die Veranschaulichung einer
terrorisierten und somit gereizten Ehefrau und Mutter. Und genauso verkörpert Binoche auch Anne
Laurent: unscheinbar und daher perfekt glaubwürdig!
Im Vergleich zur verstörenden
"Klavierspielerin", hinter der das gleiche
Regie/Drehbuch/Kamera-Team stand, ist "Caché" sicherlich für eine breitere Masse zugänglich.
Dennoch darf man sich keine großartig gestalteten Bildinszenierungen erwarten, denn Haneke geht
es diesmal um das Ungezeigte - und der psychischen Reaktion darauf. Dabei spielt er auch sehr
schön mit dem Einsatz der Videotechnik - und somit auch mit seinem Publikum. Immer wieder wird
man von den unregelmäßig eingesetzten, kleinen Tricks der Kamera überrascht, sodass bei manchen
Szenen im ersten Moment eine Ungewissheit aufkommt, aus welcher Sicht denn nun das
(Nicht)Ereignis dargestellt wird.
Trotz dieser optischen Täuschungen, die ebenfalls ein starkes Gefühl für die Wirklichkeit der
Geschichte vermitteln, ist "Caché" aber eben immer noch ein fiktiver Film, von dem der Zuschauer
auch eine entsprechende Auflösung erwartet. Aber obwohl alles auf ein erklärendes Ende
hindeutet, schlussendlich bleibt man unbefriedigt und noch immer von einer entscheidenden Szene
wirklich geschockt zurück.
4 Punkte - Marlene Frischmann

Regie: Michael Haneke
Besetzung: Juliette Binoche, Daniel Auteuil, Maurice Bénichou, Lester Makedonsky
Frankreich, Österreich, Italien, Deutschland 2004
Länge: 117 Minuten
Kinostart: 26.01.2006
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