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Home >> Kino: Filme > Die Champions

Die Champions - Der Traum vom Fußball

"Das Team ist weltberühmt. Besonders in Afrika – wenn du sagst, dass du bei Borussia Dortmund spielst, respektieren sie dich mehr." Tja, Eintracht Frankfurt, afrikamäßig kannste einpacken. Aber vielleicht werden die Hessen ja in der Mongolei geschätzt. Mohammed Abdulei jedenfalls kommt aus Ghana. Er ist jung, er ist talentiert und er stößt 1998 zur Dortmunder Nachwuchsschmiede. Ihn und drei andere hoffnungsfrohe Talente auf ihrem Weg zum Traumjob "Profifußballer" haben Christoph Hübner und Gabriele Voss vier Jahre lang mit der Kamera begleitet. Sie waren mit beim Training, sind ihnen ins Wohnheim der Fußballjugend gefolgt, haben Privates aufgezeichnet, Spiele miterlebt und so manchen Anschiss vom Trainer. Dabei kamen 400 Stunden Material zusammen, das die Filmemacher zu einem Dokumentarfilm von knapp 2 Stunden montiert haben. 

Nun kann es sein, dass man Fußball im Allgemeinen und dem Dortmunder BVB im Speziellen nicht sonderlich viel abgewinnen kann, dennoch schafft es der Film, ein gehöriges Stück Faszination zu vermitteln. Schon am Beginn, wenn die Massen ins Stadion pilgern und jubelnd und trommelnd die Ränge füllen, wenn sich die Fußballprofis gladiatorengleich ihre Rüstungen aus Vereins-Shirt und Schienbeinschonern anlegen, dann wird die enorme Wucht dieses Sports spürbar. Dahin also wollen die Jungs – in die Arena, zu den 60 000 Fans. Davor aber heißt es, sich bei dem Häufchen von knapp 400 Zuschauern zu bedanken, das tapfer neben dem Spielfeld steht, wo man gerade ein Spiel der A-Jugend versiebt.
Eine Menge an Frust, Selbstüberschätzung und Flausen gilt es zu überwinden und mit Beharrlichkeit, Selbstdisziplin und Zufall weiter nach oben zu kämpfen. Das bedeutet ständige Zurechtweisungen durch die Trainer, die zwar einerseits verlangen, nicht die jugendliche "Frechheit" zu verlieren, die einen aber auch bis zu den Stollen zusammenstauchen, falls man bei der ganzen Sache nicht zur Selbstaufopferung neigt. So manche Phrasendrescherei aus dem Lehrbuch der Mitarbeitermotivation lässt dann den ein oder anderen Spieler, der einfach nur leidenschaftlich kicken möchte, das Weite suchen. Talent ist zwar nicht hinderlich, garantiert allerdings nicht automatisch den Erfolg.

So ist denn der Film auch für Fußball-Allergiker aufschlussreich, wenn er über das Thema Sport hinaus aufzeigt, was es bedeutet, sich mit Haut und Haaren einer Sache zu verschreiben; eine Chance zu nutzen, die man kein zweites Mal erhalten wird. Durch die vier Spieler mitsamt ihren Privatleben und ihren individuellen Charakteren ergibt sich ein facettenreiches Bild über Jugendträume und Lebenswelten allgemein.
Die Filmemacher haben es verstanden, einen weitgehend spannenden und auch witzigen Film fertig zu stellen, was bei der immensen Menge an Material, die bei einer Langzeitdokumentation zwangsläufig anfällt, und der Unvorhersehbarkeit der Entwicklung der einzelnen Akteure keine Selbstverständlichkeit darstellt. Die zeitweise Langatmigkeit rührt von den detailreichen Szenen des Alltagslebens, verdeutlicht in seinen Wiederholungen aber auch den Leerlauf und die Routine, die den Weg zur Traumverwirklichung leider auch ausmachen. 

Ein Film für Amateure und Profis, Fans und Sozialforscher.

4 Punkte - Kritik von Judith Göbel

Regie: Christoph Hübner, Gabriele Voss
Mit: Francis Bugri, Mohammed Abdulai, Heiko Hesse, Claudio Chavarria
Länge: 129 min.
BRD 2003
Mehr Infos: www.realfictionfilme.de

  

© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Mittwoch, 31. März 2004