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Home >> Kino: Filme > Coffee and Cigarettes

Coffee and Cigarettes

Der Mann zittert wie Espenlaub, seine Gesten sind fahrig, seine Blicke unkonzentriert. Droht Gefahr? Ist ein Killer im Anmarsch? Sind Drogen im Spiel? Na ja. Irgendwie schon. Ein halbes Dutzend leerer Espressotassen steht vor dem Zitternden, der Aschenbecher ist voll.

17 Jahre ist es her, dass Regisseur Jim Jarmusch den italienischen Schauspieler Roberto Benigni an einen runden Bistrotisch gesetzt hat, in ein Café, von dem man nichts sieht außer den Wänden, von denen der Putz bröckelt. An einen Tisch, an den sich kurz darauf auch noch Schauspieler Steven Wright setzt und mit Benigni ein Gespräch führt, dem Logik so fremd ist wie einem Kaffee-Junkie das Wort "koffeinfrei" und der damit endet, dass Benigni den Zahnarzttermin von Wright übernimmt.

"Strange to meet you" heißt das sechsminütige Kammerspiel, mit dem Jarmusch 1986 erfolgreich auf einigen Festivals vertreten war und das im Laufe von mehr als einem Jahrzehnt um zehn Kurzfilme ergänzt wurde. Das Ergebnis heißt "Coffee and Cigarettes" und ist ein Reigen kleiner Talkshows, die nichts gemeinsam haben als dass ihre Protagonisten gerne den Lastern Kaffee und Zigaretten frönen, dass sich auf den Tischen immer ein Schachbrettmuster befindet und dass die Dialoge aus dem Nichts starten, sich scheinbar um Banalitäten drehen, um dann wieder im Nichts zu versanden. Ansonsten sind die Geschichten so unterschiedlich wie die Zeiten, in denen sie entstanden sind. Deshalb ist es auch schwer zu sagen, ob der Film als Gesamtwerk funktioniert. Es ist eher wie bei einem Kurzgeschichtenband: Manche der Erzählungen liebt man und wünscht sich, sie möchten ewig dauern, andere liest man eher widerwillig und freut sich bei der letzten Seite.

Es ist herrlich, Tom Waits und Iggy Pop in einem Diner "Somewhere in California" zu beobachten, wie sie sich gegenseitig versichern, das Rauchen aufgegeben zu haben und sich dann doch eine Zigarette anzustecken - jetzt, wo sie nicht mehr süchtig seien, seien es ja keine Sucht-, sondern reine Genussmittel. Und dann ziehen sie an den glühenden Kippen mit einer gierigen Inbrunst, dass es eine Wonne ist. "Twins", die Geschichte um ein Zwillingspärchen, das sich mit einem redseligen Kellner und seinem schlechten Kaffee herumärgert, ist dagegen mäßig interessant und etwas hölzern.

"Coffee and Cigarettes" ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, es ist ein Film, dem Chronologie und Schlüssigkeit fehlt und seine Erzählteile hart aneinander reiht. Aber er ist wunderbar in Szene gesetzt - und er ist ein Jim Jarmusch-Film. Und nur Jim Jarmusch lässt in einem Film mit dem Namen "Coffee and Cigarettes" in der besten Episode überhaupt  - "Cousins?" mit Alfred Molina - die Protagonisten etwas tun, was in diesem Streifen wohl keiner von ihnen erwartet: Sie trinken Tee.

4 Punkte - Kritik von Heidi Keller

Regie: Jim Jarmusch
Besetzung: Roberto Benigni, Steve Buscemi, Cate Blanchett, Alfred Molina, Bill Murray, Tom Waits, Iggy Pop, Bill Rice,
Steven Wright, E. J. Rodriguez
USA 2003
Länge: 96 Minuten
läuft OmU

Offizielle Homepage:
http://www.coffeeandcigarettesmovie.com

  

  

© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Montag, 09. August 2004