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Constantine
Endlich mal wieder ein amerikanischer Film, in dem so herzhaft geraucht wird als gäbe es kein Morgen mehr - denn darum geht’s ja auch.
Erneut ist die Welt nicht so wie sie scheint: Hinter den Gesichtern, die wir jeden Tag im Bus erblicken, verbergen sich Dämonen mit fiesen Fratzen oder Engel mit Klappflügeln. Glücklicherweise weiß das von den Normalsterblichen niemand - fast niemand. Constantine aber kann sie seit seiner Kindheit sehen und als es ihm zuviel wurde, beging er schließlich Selbstmord. Er wurde gerettet, doch er konnte einen kurzen Blick in die Hölle werfen (merke: Katholik
+ Selbstmord = Hölle Hölle Hölle) und seitdem wird ihm da ein Plätzchen warmgehalten. Aber im Diesseits fühlt sich der Gute auch nicht wohl, also jagt er die bösen Dämonen, damit sich vielleicht doch ein Himmelstörchen für ihn öffnet, derweil er sich immer wieder nur Absagen bei Gabriel, dem obersten Sekretär, einfängt.
Wenn man sich erst einmal mit der Grundkonstellation des Plots arrangiert hat und bei den katholischen Auslegungen über Himmel, Hölle und Hopsasa weghört, kann man sich an dem gepflegt apokalyptischen Set-Design und dem detailverliebten Blick des Regisseurs erfreuen. Dazu passt sogar Keanu Reeves’ stoisches Spiel, das ihn immer etwas deplaziert wirken und ihn trotz Heldenrolle an seinem Held-Sein zweifeln lässt - so wie sich das eben auch bei einem richtigen Helden gehört. Als Kontrast zu ihm treten (leider nur viel zu kurz) die sowieso grandiose Tilda Swinton und Peter Stormare auf, die erkennen lassen, wie wirkliche Leinwandpräsenz aussehen kann. Man merkt dann, wie sehr Constantine bzw. Reeves auf verlorenem Posten steht, da kann er mit noch so irrsinnigen Werkzeugen und Waffen gegen das Böse kämpfen: Die Gegenseite ist einfach etliche Nummern zu groß.
Auch wenn der Film nichts grundlegend Neues zu erzählen weiß, besitzt er doch einige bemerkenswerte Szenen. Er müht sich redlich ab, einerseits das Geschehen aus einer ironischen Distanz und mit der abgefuckten Einstellung des Hauptprotagonisten zu erzählen, andererseits nervt er eben mit penetranten Erörterungen religiöser Angelegenheiten, die zur Vermutung hinreißen lassen, dass im Hintergrund kirchliche Geldgeber auch noch ein Wörtchen mitreden wollten. Dabei geht dem Film leider seine Dynamik verloren und dem Publikum ist es mit der Zeit ziemlich egal, wer jetzt wie wann wohin geschickt, errettet oder über den Haufen geknallt wird. Dass nicht alles durch Erklärungen aufgelöst wird und in der grauen Zwischenwelt der eigenen Logik hängen bleibt, scheint erklärte Absicht der Filmemacher. So wirkt das Ganze letztlich wie eine unausgegorene Mischung aus "Der Exorzist" und "Bill und Teds verrückte Reise durch die Zeit".
Sollte der Film Erfolg haben, steht uns zweifellos eine Fortsetzung ins Haus. Auch eine Weiterverwertung als Computerspiel könnte überlegt werden: Man rennt durch nächtliche Szenerien und Hauswände und kann sich nur durch das Aufsammeln von Artefakten und Zigaretten gegen die Dämonen wappnen. Als Belohnung winkt zum Schluss ein Päckchen Kaugummi und alles wird gut. Dabei kommt Constantine zum Schluss selbst zu der Erkenntnis, dass Böses nur vom Bösen bekämpft werden kann - selbst wenn es sich bloß um Lungenkrebs handelt.
PS: Lobende Erwähnung sollte übrigens noch die (zumindest in der Originalfassung) erstaunlich tiefe Stimme der knuddeligen Rachel Weisz finden, die sich wie eine Elben-Ersatzsprecherin anhört.
3 Punkte - Judith Göbel
Regie: Francis Lawrence
Besetzung: Keanu Reeves (Constantine), Rachel Weisz (Angela + Isabel Dobson), Shia LaBeouf (Chaz), Tilda Swinton
(Gabriel), Peter Stormare (Satan, huuuuuu)
Kinostart: 17.02.2005
USA, 2005
www.constantine-derfilm.de
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