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Dawn of the Dead
Eine Krankenschwester beendet ihre lange Nachtschicht im Krankenhaus. Schlaftrunken fährt sie nach Hause. Auf der Straße begegnet ihr das Nachbarsmädchen, das ihr stolz zeigt, dass sie jetzt auch rückwärts Rollschuh fahren kann. Der Mann wartet schon im Bett, bereit für Geknutsche unter der Dusche und anschließende Kuschelgruppe. Man mümmelt sich wohlig aneinander, als die Tür langsam aufgeht und das Nachbarsmädchen dasteht. Sie hat Blutflecken auf ihrem Kleid und guckt ein wenig bös...
Das sind die ersten Szenen des Films und die letzten friedlichen, dann fängt der Terror an. Mit brachialer Heftigkeit bricht der Schrecken herein, und er macht seine Sache gründlich. Die perplexen Opfer können nur mit völliger Hilflosigkeit und blanker Panik reagieren - und da hat noch nicht mal der Vorspann angefangen (von daher sei allen potentiellen Besuchern geraten, pünktlich in der Vorstellung zu sein). Wenn dann noch Johnny Cash „The Man Comes Around“ als Titelsong gibt, ist man im angemessenen Schockzustand. Da kann einem die Frage, ob der Film diese geballte Wucht auch die gesamte Länge durchhalten wird, noch kurz Angst machen.
Wer bislang keine Gelegenheit hatte, sich George A. Romeros Original von 1977 anzuschauen, das einst wegen drastischer Gewaltdarstellungen verstümmelt und geschnitten wurde wie sonst kaum was, der kann sein Seelenheil noch retten und sich wenigstens das vielleicht passendste Remake des Jahres ansehen. War Romeros Film noch eine gewaltreiche Abrechung mit einer überheblichen und rassistischen Konsumgesellschaft, so spart auch dieser Film bei allem Zombiegemetzel nicht mit einem leider höchst aktuellen Bezug zur Wirklichkeit: Dem plötzlichen Hereinbrechen des Terrors und den Folgen.
Die Opfer müssen sich zusätzlich gegen Selbstzerstörung und gegenseitiges Misstrauen wehren. In einer Situation, in der man zuvorderst zusammen halten müsste, spielt sich die hauseigene Security mal wieder am dicksten auf. Wer ist infiziert? Wen soll man vorbeugend töten? Will man andere retten? Oder doch erst mal sich selbst? Wie schnell lassen sich eingefahrene Verhaltensweisen ändern? Selbst die Zombies torkeln eher gewohnheitsmäßig zum Einkaufszentrum. Dieses Einkaufszentrum ist eine abgeschottete Enklave, die nur in rudimentärem Kontakt steht mit einer anderen, labilen Festung (sinnigerweise einem Waffenhändler), während sich vor den Türen unerbittlich das Grauen ballt. Mit der Zeit kehrt fast schon wieder routiniertes Leben ein, man arrangiert sich mit der Situation, konsumiert das Vorhandene und trotzt mit bitterstem Fatalisten-Humor dieser aus den Fugen geratenen Welt - so lange bis die Rohstoffe ausgehen. Dann heißt es, zur Flucht geblasen mit massivem Waffeneinsatz und der Hoffnung, dass es irgendwo da draußen einen sicheren Ort geben wird. Die Amerikafahne flattert schon zuversichtlich im Hintergrund. Wem das nicht bekannt vorkommt, der sollte endlich seinen Keller verlassen und die Augen aufsperren.
Es gab Szenen, in denen das Publikum hörbar aufstöhnte: Wenn jemand sein Ohr, ganz liebender Vater, an den aufgeblähten und etwas zappeligen Bauch einer Hochschwangeren legt, die vom Zombie gebissen nicht mehr ganz frisch aussieht, dann wird mit Erwartungshaltungen gespielt, die furchtbarer sind als so mancher
weggefetzte Kopf. Der Film arbeitet mit den vertrauten Horrortopoi (inklusive dem leerem Parkhaus oder der Kettensäge) und versteht es trotzdem, immer wieder zu überraschen und das Willkürliche und völlig Sinnlose zu vermitteln.
Hilfreich sind dabei auch die erstaunlich überzeugenden Darsteller, allen voran Sarah Polley. Sie ist keine von den üblichen
Scream Queens, die leicht geschürzt und vollbusig immer in die falsche Richtung rennen. Eine ganze Weile steckt sie noch in ihrem schlapprigen Schlafanzug und als sie sich im Laden wenigstens ein Paar Schuhe sucht, klappt sie einfach leise wimmernd zusammen. Inmitten all der Hysterie sorgen diese beklemmenden kleinen Szenen für die Erkenntnis, dass Menschlichkeit in dieser Welt keine Chance mehr hat.
Wer übrigens das Kino vor Beendigung des Abspanns verlässt, ist selbst dran schuld.
4 Punkte - Kritik von Judith Göbel
Webseite: http://www.dawnofthedeadmovie.net/
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