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The Day After Tomorrow
Eines der ältesten Sprichwörter lautet "Der Weg ist das Ziel". Wenn man sich den Aufbau eines
Spielfilms anschaut, könnte man also einem Film ein schlechtes Ende verzeihen, falls der Inhalt gut
wäre. Doch bei "The Day After Tomorrow" helfen noch nicht mal Sprichwörter, um den jämmerlichen
Inhalt und das geradlinige Ende zu entschuldigen. Es gibt einfach Filme, bei denen man das Gefühl
hat, hellseherische Kräfte zu besitzen, da man jede Minute vorhersagen kann.
Der Paläoklimatologe Dr. Jack Hall (Dennis Quaid) hat eine Theorie aufgestellt, die besagt, dass
eine Eiszeit auf die Menschheit in ca. 50- 150 Jahren zukommt. Auf der Klimakonferenz in Delphi
verdeutlicht er führenden Wirtschaftsnationen und Exportländern, dass der Verbrauch von fossilen
Brennstoffen eingeschränkt werden muss, um die globale Erderwärmung zu vermindern. Der amerikanische
Vizepräsident (Kenneth Welsh) zeigt Dr. Hall deutlich, wo seine Prioritäten liegen und dass die
wirtschaftlichen Verluste nicht tragbar wären. Der einzige in der Runde, der sich Dr. Halls Theorie
annimmt, ist Prof. Rapson (Ian Holm), der sich selbst mit der Entwicklung des Temperaturgefälles und
Salzgehaltes innerhalb des Golf-Stroms beschäftigt. Doch wie erwartet, hat sich Dr. Hall ein
bisschen in der Zeit verschätzt und die Katastrophe fängt nicht erst in 150 Jahren, sondern schon am
nächsten Tag nach der Konferenz an. Tennisballgroße Hagelbrocken erschlagen Menschen in Japan, Fluten und Stürme einer noch nie da gewesenen Größenordnung wüten auf allen Erdteilen und Tornados
verwüsten Los Angeles. Dr. Hall, die Heldenfigur, versucht den Präsidenten für seine
Evakuierungspläne der Südstaaten zu überzeugen nachdem die Nordstaaten schon verloren sind. Doch das
Schicksal von Millionen ist für den Inhalt unbedeutend. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Dr. Halls Sohn Sam (Jake Gyllenhaal), der in der New Yorker Bibliothek festsitzt und wartet bis sein Dad
ihn rettet. Zum Schluss die große Überraschung: Es gibt ein Happy End! Zwar sind Millionen von
Menschen ertrunken und erfroren, aber Dr. Hall und seine Familie sind
wenigstens wieder vereint.
Traurig, dass der deutsche Regisseur Roland Emmerich sich komplett "verhollywooden" ließ und wie
tausend andere vor ihm das Bild der beschützenden amerikanischen Regierung, die Weltangelegenheiten
zu amerikanischen "stuff" macht, übernommen hat. Dass die restliche Welt bei Katastrophen
ausgeschlossen wird, sind wir ja schon von "Armageddon" und "Independence Day" gewohnt.
Nichtssagende Filminhalte sind für amerikanische Produktionen auch nichts überraschendes, und dass
bei einer Menschheitskatastrophe das Schicksal eines Einzelnen im Vordergrund steht, hat uns auch
schon "Titanic" gezeigt. Vielleicht liegt die Schuld einfach bei mir, dass ich die Hoffnung nicht
aufgegeben und mehr erwartet habe.
Doch eines muss man dem Film lassen - seine Special Effects. Der Grund, weshalb mein Kopf nicht in
meine Popcorn-Tüte gefallen ist und lautes Schnarchen den Saal erfüllte, liegt an der meisterhaften,
computeranimierten Darstellung. Wenn man Ton und Inhalt weglassen würde und die paar billigen
Dialoge herausschneidet, hätte man einen sagenhaften Dokumentarfilm mit beeindruckend echt wirkenden
Naturbildern.
Ob nun Emmerichs gewünschtes Ziel, gegen Bushs Umweltpolitik Kritik auszuüben, erreicht wird, indem
man versucht, in einem Katastrophenfilm realistische, prognosenartige Verhältnisse darzustellen, sei
dahingestellt. Auch über den pädagogischen Wert lässt sich streiten. Aber zumindest hat unser
Bundesumweltminister Trittin eine Idee für seinen Wahlkampf gefunden. Wer über den schlichten Inhalt hinwegsehen kann, Lust auf eine gute Bebilderung hat und schauen
möchte, auf welchem Stand die computeranimierte Technik ist, und ein paar Euro zu viel in der Tasche
hat, kann sich "The Day After Tomorrow" ruhig antun.
2 Punkte - Barbara Cerveny
Regie: Roland Emmerich
Besetzung: Dennis Quaid, Jake Gyllenhaal, Ian Holm, Emmy Rossum, Sela Ward,
Austin Nichols
USA 2004
Länge: 124 min.
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