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Elling 2 - Nicht ohne meine Mutter
Wie gut, dass es Norwegen gibt. Nach Elch und Fjord und Blockhaus setzt sich nun
ein viertes Wahrzeichen durch - Elling. Ja, der kleine Neurotiker ist wieder
zurück und diesmal macht er Mallorca unsicher. Als ob die da unten nicht genug
andere Probleme hätten.
Der Film ist eigentlich ein Vorgänger zu dem 2001 gelaufenen
"Elling", als sich
unser Held bereits im Heim und bei Riesenbaby Kjell Barne befand. Aber jetzt lebt
seine Mutter noch, und Elling, der selbstverständlich noch bei ihr wohnt, kann
sich ein Leben ohne sie einfach nicht vorstellen. Alleine in die Bücherei gehen?
Selbständig einkaufen? Und dann schlägt Mama auch noch vor, nach Mallorca zu verreisen, um mal was anderes zu sehen und damit Elling mal - wie sie sagt - unter
die Leute kommt. Wie kommt sie nur auf solche abstrusen Ideen?! Will sie Elling
etwa verlassen?!! Nur widerwillig lässt sich Elling dann doch überzeugen, auf die
große Reise zu gehen. Danach wird nichts mehr so sein, wie es war...
Mallorca lauert denn auch mit allen Schrecken auf, die man sich so ausmalen kann:
Betongraue Hotelburgen, besoffene Prolls, abzockende Prostituierte; aber auch die
Normalität der Pauschalreise, bei der einem nicht wirklich etwas passieren kann,
und wo die richtige Essenswahl im mallorcinischen Lokal (Spanisch - kreisch!)
bereits ein kleines Erfolgserlebnis ist.
Wie gewohnt stakst Elling sehr empört durch die Szenerie. Seine dezidierten
Vorstellungen und scheinbar perfekten Planungen geraten ein ums andere Mal an ihre
Grenzen. Alles, was außer der Reihe passiert, ist für ihn Anlass zum Aufstand.
Dennoch meint er, alles unter Kontrolle zu haben. Dies macht er übrigens so
souverän, dass anfangs alle Leute davon ausgehen, er wäre es, der seine arme alte
Mutter behüten müsste. Doch immer wieder gerät sein Konstrukt aus Regeln und
Stützen ins Wanken, und dann bricht sich eine unbändige Hysterie Bahn, die nur
durch eine rettende Ohnmacht beendet werden kann - und durch Mama.
Durch seine Kommentare aus dem Off bekommen wir Einblick in die innere
"Elling-Logik". Das macht sogar einige seiner Reaktion nachvollziehbar und zeigt,
dass er manchmal gar nicht so unrecht mit seinem echauffierten Getue hat. Der Film
ist denn auch trotz aller Komik mit einer gewissen Bitternis gezeichnet, die sehr
eindringlich Ellings allgemeines Unverständnis an dieser Welt und ihren seltsamen
Bewohnern ausdrückt.
Die unspektakuläre Inszenierung sorgt dafür, dass man sich ganz auf die Darsteller
konzentrieren kann. Außer der knuffigen Grete Nordra als Mama ist das natürlich
Per Christian Ellefsen, der Elling auch in zig Bühnenaufführungen verkörpert hat
und mittlerweile mit der Figur ähnlich verschmolzen sein dürfte wie Rowan Atkinson
mit Mr. Bean. Beiden Figuren haftet etwas ähnlich Egoistisches und manchmal auch
brutal Ehrliches an - ein Verhalten, mit dem sie immer wieder aus der Gesellschaft
und ihren Konventionen kippen (wobei Elling nicht Mr. Beans bösartige Verschlagenheit besitzt).
Nächstes Jahr kommt dann der letzte Teil "Lieb mich morgen" ins Kino. Die Zeit bis
dahin sollte man sich mit den literarischen Vorlagen verkürzen: "Ententanz",
"Blutsbrüder" und eben "Lieb mich morgen". Und wer dann noch nicht genug hat,
liest sich noch "Ausblick auf das Paradies" durch, den ersten Teil der vierteiligen Trilogie.
4 Punkte - Kritik von Judith Göbel
Regie: Eva Isaksen
Besetzung: Per Christian Ellefsen, Grete Nordra (Kringel überm a), Helge Reiss
Norwegen 2003
85 min.
Kinostart: 06.05.2004
Webseite: www.muttertag-mit-elling.de
Kritik zu "Elling"
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