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Erklärt Pereira
Erinnert sich noch jemand an die Zeit
als Marcello Mastroianni noch lebte? Ist schon eine Weile her. Jedenfalls
ist das sein letzter Film, und mit der üblichen Verspätung habe ich ihn im
örtlichen Kinokonglomerat ansehen können.
Was mich jetzt ins
Kino trieb außer Marcellos wunderbarer Brillenstärke, war die fadoversetzte Musik des
Werbetrailers. Auf so etwas soll man ja eigentlich nicht reinfallen. Im Film taucht diese
Musik immer dann auf, wenn der alte Herr mit seiner verstorbenen Frau spricht und eine
ausgeleierte Platte auflegt. Das passiert des öfteren und genauso oft wird das Lied
abgebrochen, weil wieder die Handlung in Gang kommen muss. Irgendwann hatte ich dann diese
Platte richtig satt, denn immer und immer wieder das selbe Stückchen und dann
– knarz!
Zum Schluss darf sie dann noch einmal richtig loslegen, aber da ist es dann fast schon zu
spät für eine pathetische Steigerung.
An der Handlung irritierte mich zunächst ihre
Banalität bzw. das geradezu archetypische Thema vom unpolitischen Schreiber (wahlweise
Künstler, Reporter, Sheriff), der durch den Tod eines Freundes eine Wandlung erfährt, um
schließlich aktiv zu werden und Stellung zu beziehen. Weil man halt genau weiß,
dass er
sich ändern wird, kommt jegliche Spannung abhanden. Möglicherweise soll es aber auch mit
Absicht kein bisschen spannend sein, schließlich wollen wir uns ganz auf MM
konzentrieren.
Mastroianni kommt so – ähm – niedlich daher, dass wir nicht nur
diesem Naivling nicht böse sein können, sondern auch dem ganzen Film. Der will
schließlich eine Komödie sein, wobei es doch um ein ernstes (Ruhe bitte!) Thema geht:
Diktatur in Portugal. Die war nicht allzu witzig. Dafür treten als deren Vertreter ein
paar Karikaturen auf die Bühne, denen jede Bedrohung abgeht und die doch
lebensgefährlich sind. Wie Pereira diese Knallchargen doch noch überlistet, ist noch
einmal ganz pfiffig, dann ist aber der Film auch schon vorbei.
Was war noch? Eine Erzählerstimme, die uns fortwährend aus dem OFF erklärt, was
Pereira erklärt hat. Da merkt man dann, dass die ganze Story vorher als Buch existierte
und nun möglicherweise Erklärungsbedarf am Titel besteht, oder so. Wenn der Film
wirklich Film hätte sein wollen und nicht nur Literaturverfilmung, hätte man sich die
Stimme sparen können.
Neben Mastroianni spielt Stefano Dionisi mit, ein nicht wirklich guter Schauspieler,
aber irgendwie fällt er mir halt immer auf in seiner schrägen Mischung aus Tom Cruise
und Anthony Perkins. Nur lasst ihn im nächsten Film nicht schon wieder
singen.
3 Punkte - Kritik von
Judith Göbel
OF: Sostiene Pereira
Regie: Roberto Faenza
Buch: Roberto Faenza, Sergio Vecchio, Antonio Tabucchi (auch Vorlage)
Kamera: Blasco Giurato
Musik: Ennio Morricone, Dulce Pontes
Besetzung: Marcello Mastroianni (Pereira), Joaquim de Almeida (Manuel),
Daniel Auteuil (Dr. Cardoso), Stefano Dionisi, Nicoletta Braschi, Marthe
Keller
Länge: 103 min.
Italien / Frankreich / Portugal 1995
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