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Home >> Kino: Filme > Factotum

Factotum

Wer schon mal einen Charles Bukowski Roman gelesen hat, kann sich so ungefähr ausmalen, was ihn bei dieser Verfilmung erwartet. Alle anderen noch ahnungslosen Menschen seien vorgewarnt: Herr Bukowski, bzw. in diesem Film sein Alter Ego Henry Chinaski, reduziert das Leben auf zwei wesentliche Dinge: Alkohol und Sex. 

Beidem widmet er sich ausgiebigst, nur manchmal unterbrochen von Gelegenheitsarbeiten, die nie länger als ein paar Tage dauern, von Pferdewetten und vom Schreiben. Das nämlich ist neben A&S die große Leidenschaft des Henry Chinaski. Allerdings erkennt außer ihm niemand sein schriftstellerisches Talent. Was angesichts der Tatsache, dass Chinaski den Lebenssinn wirklich sehr präzise auf den Punkt trifft, sehr schade ist. Denn obwohl er zweifellos Alkoholiker ist, sieht er die Welt mit nüchternen Augen. Genau diese Beobachtungen sind es, die "Factotum" von den anderen alkohol- und sexlastigen Filmen abhebt. Und Matt Dillon, der als Henry Chinaski eine glänzende Darbietung liefert. Mit blasser Haut, die sicherlich schon seit Jahren keiner Sonnenkur mehr unterzogen wurde, und etwas Übergewicht brilliert er immer mit einem Glas oder einer Flasche in der Hand - ohne je den Eindruck zu erwecken so am Ende wie Nicolas Cage in "Leaving Las Vegas" zu sein.

Außerdem trinkt Chinaski nicht wie Cages Charakter weil er trinken muss, sondern weil er einfach nichts besseres zu tun hat und trinken will. Dabei taucht die Frage auf: Trinkt Chinaski eigentlich weil er keinen Job hat oder hat er keinen Job weil er trinkt? Die Antwort auf diese Frage weiß er wohl selbst nicht, geschweige denn seine Teilzeitpartnerinnen, die er sich im Laufe der Zeit zulegt. Keine dieser Frauen ist seine Liebe des Lebens, es hat auch nicht den Anschein, als ob er die überhaupt sucht, aber Jan scheint ihm zumindest nahe zu kommen.

Die auch nicht gerade in der High Society stehende Jan wird von Lili Taylor ("Six Feet Under") dargestellt, die eine solide Vorstellung bietet. Marisa Tomeis Auftritt wirkt dagegen schon eindrucksvoller, obwohl er durchaus mehr in die Länge gezogen hätte werden können.

Sieht man aber von den Darstellern und den Off-Gedanken Chinaskis ab, so ist "Factotum" zwar sicherlich für eine breitere Masse bestimmt als der Roman (der doch etwas ordinär und banal gehalten ist), aber dennoch keine Geschichte, die neu erfunden wurde oder mit der sich eine neue Gedankenwelt auftut. Im Prinzip erzählt uns der norwegische Regisseur Bent Hamer einfach einen Auszug aus Bukowskis/Chinaskis alkohol- und frauengeprägtem Leben, ohne dabei groß auf besondere Ereignisse einzugehen. So kann auch verraten werden, dass der Schluss nicht abgeschlossen ist, außer dass es das Schicksal mit Chinaskis Berufung als Schriftsteller so ähnlich meint wie mit der Abiturprüfung von Torbergs "Schüler Gerber".

3 Punkte - Marlene Frischmann

Regie: Bent Hamer
Besetzung: Matt Dillon, Lili Taylor, Marisa Tomei, u.a.
USA, Norwegen 2005
Länge: 93 Min.
Kinostart: November 2005

  

© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Donnerstag, 25. August 2005