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Home >> Kino: Filme > Die Farben des Paradieses

Die Farben des Paradieses

Nun ist der Iran ja eigentlich ein zuverlässig böser Schurkenstaat, voller fusselbärtiger, finster dreinblickender Männer, die alles daran setzen, dass endlich der Islam die Weltherrschaft übernimmt und alle Ungläubigen und McDonald's von der Erde tilgt. Jetzt haben diese Westlichewertebedroher eine ganz fiese Waffe ausgeheckt, gegen die die Amis (die Hauptverursacher der Schurken-Paranoia) völlig hilflos sind: Sie drehen bezaubernde Kinderfilme. Selbst die New York Times, Screen und Facts scheinen von lauter Mullahs unterwandert, wird der Film doch in höchsten Tönen gepriesen – und schon sind dem Erzfeind Tür und Tor geöffnet. Ja, George Dabbeljuh, passt denn keiner auf?

Die Farben des ParadiesesWer vermag auch diesem universellen Thema zu entrinnen: Blinder Junge versucht die Liebe seines Vaters zu gewinnen. Dazu gibt es berückende Landschaften, entzückende Großmütter, Dramatik und Farben satt. Das Schöne daran ist, dass sie das in Allah’s Own Country besser machen als in God’s Own. Denn wo man da unter dem Versprechen des Mitgefühls in Texas-Oil ertränkt wird, vermitteln sie uns dort das Gefühl als ein tatsächlich tastendes, haptisches Erlebnis. Statt gefühliger Sülze gibt es echte Anteilnahme für alle Sinne, wodurch wir selbst den Kieseln im Bach demnächst mehr Aufmerksamkeit schenken werden.

Sogar der Abspann ist wunderschön und komplett unverständlich.

4 Punkte - Kritik von Judith Göbel

OF: Rang-e Khoda
Regie, Buch: Majid Majidi
Kamera: Hashem Attar, Mohammad Davudi
Besetzung: Hossein Mahjub (Vater), Mohsen Sarab (Mohammad), Salemeh Feizi (Oma)
Länge: 88 min.
Iran 1999

  

© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Montag, 27. September 2004