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Following
Schon mal Konversationen von Fremden im Bus gelauscht? In einer Ansammlung von Menschen
bestimmte Personen rausgepickt und sich deren Leben vorgestellt? Alles keine Delikte,
solange nicht in die Privatsphäre eines anderen eingegriffen wird. Was aber, wenn die
Grenze überschritten wird?! Wenn man eines Tages beschließt, die eigene
Schrittgeschwindigkeit nicht zu erhöhen oder zu vermindern und somit mit fremden
Passanten im Gleichschritt geht?!
Genau das tut Bill. Zunächst aus Langweile, dann aus voyeuristischer Neugier und
schlussendlich aus Sucht verfolgt er fremde Menschen in London. Er geht ihnen
wohin-auch-immer nach, ohne je mit ihnen in Kontakt zu treten. Bis ihn eines Tages ein
Verfolgter anspricht. Hat Bill bis dahin keine kriminelle Handlung unternommen, so wird
er jetzt durch das Gespräch mit Cobb dazu verleitet. Er schließt sich dem Einbrecher an,
dessen Kick nicht das Eindringen in fremde Wohnungen, sondern in fremde Leben ist. Er
interessiert sich mehr für Intimes als Materielles und genau das ist es, was den Nerv des
Zuschauers trifft.
Nicht nur die Damen und Herren in "Following" haben in ihren vier Wänden ihre privaten
Boxen mit Briefen, Fotos und anderen Andenken, sondern auf gewisse Weise hat ein jeder
von uns so eine persönliche Schatztruhe. Man stellt sich unwillkürlich die Frage, welche
Schlüsse ein Einbrecher aus der eigenen Box ziehen könnte. Nicht nur durch diese
Vorstellung kommt Unbehagen auf, sondern auch, weil man versucht, das Puzzle der Story zu
lösen. Geschickt wird Bills Leidenschaft in unchronologischen Erzählsträngen präsentiert,
die einem nur nach und nach aufklären, wer eigentlich wem folgt. Der Film Noir ist
gespickt mit Twists and Turns, was dem eigenen Detektiv-Gehirn wirklich Freude bereitet.
Selbst das Ende kann den Windungen noch einen Jubelschrei entlocken.
Wenn man bedenkt, dass "Following" das Spielfilm-Debut von Christopher Nolan ist, dann
braucht man kein Hellseher zu sein um zu wissen, dass er eine große Zukunft vor sich hat.
Obwohl er mit "Insomnia" und demnächst "Batman Begins" schon den Sprung nach Hollywood
geschafft hat, bleibt zu hoffen, dass er nicht dem dort gängigen Mainstream verfällt.
Nach "Following" allerdings kaum vorstellbar, denn der Film ist wahrlich einzigartig. In
schwarz/weiß, viel Führungen mit der Handkamera - die schon einen Doku-Charakter annehmen
- und so gut wie unerfahrenen Schauspielern gelingt es Nolan einen überzeugenden
Low-Budget Film abzuliefern, der durchaus auch Vergleiche mit Hitchcock zulässt. Wie beim
"Fenster zum Hof", bekommt der Zuseher die Möglichkeit, aus Sicht eines Fremden in
verschiedene Privatleben Einblicke zu ergattern. Anders als beim Master of Psycho kann in
Nolans Geschichte allerdings jedes Detail, sprich jeder Einbruch, schlussendlich auf die
zwei Hauptcharaktere Bill und Cobb zurückgeführt werden.
Da der Independent-Film allerdings genau das ist, was sein Name schon verrät - es steht
kein Star-Regisseur hinter, noch Stars vor der Kamera - ist zu befürchten, dass er den
Weg nicht in viele deutsche Kinos findet. Wer dennoch ein Lichtspielhaus aufstöbert, das
"Following" nach seinem Debut in England vor sieben Jahren auch hier auf die Leinwand
bringt, der sollte sich wirklich daran erfreuen, wie Cobb Bill, "Die Blonde" und
schlussendlich auch den Zuschauer übers Ohr haut.
4 Punkte - Kritik von Marlene Frischmann
Regie: Christopher Nolan
Besetzung: Jeremy Theobald, Alex Haw, Lucy Russell
UK 1998
Länge: 70 Min.
Kinostart: 17.02.2005
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