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Gespenster
...eines Großstadtdschungels sollen wohl die ungleichen Mädchen Nina und Toni sein. Eines Tages
kreuzen sich in Berlin ihre Wege und dank Nina, die ohne Eltern, aber mit Kinderheimpflegern
aufwachsen musste, gehen sie auch ein Stück gemeinsam. Dabei treffen sie auch auf Françoise, die
behauptet mit Nina ihre vor langem entführte Tochter wiedergefunden zu haben.
Nina reagiert berechtigterweise etwas verdutzt - so auch der Zuschauer. Die vom Schicksal
zweifelsohne geprägte Françoise soll die Mutter von Nina sein? Und sie glaubt ihre Tochter
gefunden zu haben, indem sie in einer Großstadt aus dem Hotelfenster schaut, zwei Mädchen unten
spazieren gehen sieht, daraufhin in aller Seelenruhe sich ebenfalls entschließt eine kleine
Runde zu drehen, die Mädchen, die in der Zwischenzeit "shoppen" waren, wieder findet, um sie
dann vor die Tatsachen zu stellen?! Françoise kann nicht erwarten, dass ihr Nina glaubt und ihr
vor lauter Sehnsucht nach einer Mutter begeistert um den Hals fällt. So kann auch Christian
Petzold vom Publikum nicht erwarten, dass es dieses Szenario ernst nimmt.
Zu widersprüchlich (und auch langweilig) ist überhaupt die Geschichte rund um Françoise. Das
beginnt schon mit den ersten Minuten des Films, die sich unverständlicherweise um den Mann von
Françoise drehen, dem wohl unwichtigsten Akteur des ganzen Geschehens, und hört auf mit der
letzten Szene der Französin, wo man sich nur an den Kopf greift und sich fragt, warum sie denn
auf einmal so untypisch und gegen ihre bisherigen Handlungsweisen reagiert.
Auch einige Fragen stellt man sich zu Toni, der neuen Bekannten und Eventuell-Freundin von Nina.
Sie kommt aus dem Nirgendwo, bringt keine Geschichte mit sich und ihr Interesse an einer
Freundschaft mit Nina ist auch widersprüchlich. Diese Charakteroberflächlichkeit wird allerdings
sehr gut von der attraktiven Sabine Timoteo präsentiert. Sie hebt ihre Figur geschickt in jeder
Szene hervor, sogar wenn sie nicht im Mittelpunkt steht. Julia Hummer hingegen schafft als Nina
genau das Gegenteil: Es dreht sich alles um sie, aber ihre gespielte Unscheinbarkeit und
Schüchternheit lassen sie nie aus dem Schatten von Toni hervortreten. So ist Nina wie ein
Gespenst, das sich einfach nur nach Aufmerksamkeit und Zuneigung sehnt und sich aus diesem Grund
an Toni klammert. Aber auch Toni bräuchte wen Stärkeren, an den sie sich festhalten kann, denn
obwohl sie so tut, als ob sie schon mit beiden Beinen voll im Leben steht, so ist es bis dahin
noch ein weiter Schritt. Sie muss sich wohl erst selbst finden, bevor sie andere als Freunde
finden kann.
Schlussendlich wird man als Zuseher noch kurz mit Nina allein gelassen, die für sich selbst eine
Entscheidung getroffen hat, die uns zeigt, dass sie, das verschüchterte und vernachlässigte
Heimkind, es ist, die als einzige der drei Frauen weiß, was sie vom Leben zu erwarten hat.
2 Punkte - Marlene Frischmann
Regie: Christian Petzold
Besetzung: Julia Hummer, Sabine Timoteo, Marianne Basler, Benno Fürmann, u.a.
Deutschland 2005
Länge: 85 min.
Kinostart: 22.09.2005
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