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Good Night, and Good Luck.
(Zwei Kritiken, ein Ergebnis)
Nach seinem Debütfilm "Confessions of a Dangerous Mind" beschert uns George Clooney abermals
einen medienkritischen Film. Und was für einen! In "Good Night, and Good Luck" widmet sich
Regisseur Clooney einem Thema, das Grundstein für den heutigen investigativen Journalismus,
allen voran in der Fernsehberichterstattung, ist.
Clooney geht in seinem neuesten Werk auf die McCarthy-Affäre in den frühen 50igern ein, bei der
Senator Joseph McCarthy eine Art Kreuzzug gegen vermutliche Kommunisten antreibt. Teils ohne
Beweise beschuldigt er eine Reihe von Leuten Anhänger des Kommunismus zu sein. Als McCarthy aus
dieser Verfolgung heraus einen Navy-Piloten ohne Verfahren aus der Marine entlässt, ist dies
Auslöser einer historischen journalistischen Konfrontation. TV-Journalist und Moderator Edward
R. Murrow präsentiert in seinem CBS-Nachrichtenmagazin "See it Now" der Öffentlichkeit die
unbegründeten Vorgehensweisen gegen angebliche Kommunisten, greift den Senator an und fordert
ihn somit zu einem verbalen Kampf heraus, der für beide Männer folgenschwere Konsequenzen mit
sich ziehen wird.
Diese Auseinandersetzung Murrow vs. McCarthy wird dabei auf eine brillante Art und Weise
präsentiert: Um der damaligen Begebenheit so getreu wie möglich zu bleiben, wurde für den
Senator kein Schauspieler eingesetzt, sondern nur Originalbilder und -reden von McCarthy
persönlich. Murrows Reden basieren zwar ebenfalls auf wahren Wortlauten, der Journalist wird
aber von David Strathairn verkörpert, der seine Rolle bis aufs kleinste Detail perfektioniert
hat. Sein glaubwürdiges Auftreten und Ausstrahlung brachten Strathairn auf dem Festival in
Venedig 2005 auch den Preis als bester Hauptdarsteller und eine Nominierung für den Golden Globe
2006 ein.
Die wohl bekannteren Namen des Films - u.a. George Clooney, Jeff Daniels, Robert Downey Jr. -
können Strathairn niemals auch nur annähernd die Show stehlen. Ihnen wird dazu aber auch kaum
die Gelegenheit geboten, treten sie doch meist nur als gesamtes Reporterteam in den Vordergrund
- und das bis auf ein oder zwei Ausnahmen ausschließlich in den CBS-Studios. Diese Tatsache,
dass der Zuschauer so gut wie nie die Nachrichtenredaktion und während des gesamten Films kein
einziges Mal vier Wände verlässt, wirkt doch sehr bedrückend aufs Gemüt. Dass die Geschichte um
Authentizitätswillen in schwarz/weiß abgehandelt wird, verstärkt diese klaustrophobische
Stimmung nur noch.
Auch gibt es zum besseren Verständnis der Charaktere keine Abstecher in deren Privatleben.
Alles, was in den eineinhalb Stunden passiert, spielt sich auf rein beruflicher Ebene ab. Somit
wird einem die Chance verwehrt, die Journalisten als Menschen zu sehen. Hinter jeder
Entscheidung, die sie in dieser Zeit treffen, stehen - sollten sie, was die Anklagepunkte gegen
den Senator betrifft, auch nur in einem Punkt fehlerhaft recherchiert haben - ihre Karrieren,
ihr Ruf und das Leben ihrer Familien auf dem Spiel.
Ohne diese privaten Konfrontationen schafft es "Good Night, and Good Luck" allerdings als einer
der wenigen Filmen eine Geschichte in einer perfekten Länge zu erzählen. In den 93 Minuten wird
der Zuschauer nie überfordert oder gelangweilt. Mit alles anderem als Langweile beginnt der Film
übrigens: Mit hervorragender Kameraführung und Schärfenspiel werden wir auf einer Feier mit den
betreffenden Personen bekannt gemacht, wobei mit Abschluss der Szene uns schon eines klar
gemacht wird: der Mann der Stunde und der damaligen Zeit war Edward R.
Murrow!
4 Punkte - Marlene Frischmann
Zu den angenehmen Klängen eines Saxophons beobachten wir eine teuer gekleidete Abendgesellschaft, die an kleinen, festlich gedeckten Tischen auf einen Vortrag wartet. Das Weiß der Perlenketten auf den Dekolteés der Damen und die klassische Abendgarderobe kommen durch die Kontraste des Schwarz-Weiß-Films noch mehr zum Tragen.
Edward R. Murrow wird als Redner angekündigt und betritt das Podium. Sein Adlerblick durchschweift den Raum und seine Auffassung über die Macht der Medien schneidet wie ein frisch geschliffenes Messer ins Saalpublikum.
Ablenkung und Täuschung sind die Mittel, mit denen Medien ihre Macht ausüben können und sie reflektieren die Dekadenz und den Eskapismus der Gesellschaft.
Murrow ist der Moderator der Show „See It Now“. Die Zuschauer seiner Sendung sind Intellektuelle und Jene, die es gerne wären. Er gilt als amerikanischer Patriot, als besonders intelligent und scharfsinnig.
Edward nimmt kein Blatt vor den Mund. Er will die Zuschauer informieren, auch wenn die politische Brisanz seiner Themenwahl sowohl ihn, als auch seinen Sender CBS den Kopf kosten könnte. Und das in einer Ära, in der Paranoia die amerikanische Kultur vielleicht noch stärker prägte, als es seit dem 11. September der Fall ist. Die „rote Narbe“ nennt man in den USA die Epoche, in der Senator Joseph McCarthy Ermittlungen gegen all Jene leitete, die in den Verdacht kamen, Kommunisten zu sein. Ungeachtet der Schuldfrage hatten die Prozesse zur Folge, dass die Angeklagten zum medialen Schafott geführt wurden.
McCarthyismus ist ein medial sehr häufig zitiertes Thema, beginnend bei Arthur Millers „The Crucible“ bis hin zur filmischen Übertragung auf die extraterrestrische Bedrohung, wie es in „Invasion of the Body Snatchers“ der Fall ist.
Kein neues Thema also, das Multitalent George Clooney in seinem dritten Regieprojekt angeht, aber dennoch eine Materie, welche nicht in Vergessenheit geraten sollte und die in unserer heutigen Zeit auch Gedankenanstöße zum Thema Terrorismus, Paranoia und Medien bietet.
“Good Night, and Good Luck.“ bietet eine umfangreiche Personenkonstellation auf, in der Clooney selbst als Schauspieler nur eine sehr kleine Rolle einnimmt. Für ihn war der Film eine private Wunscherfüllung, da sein Vater 30 Jahre lang als Nachrichtensprecher arbeitete und Ed Morrow für seine Familie ein Idol war.
Auch wenn „Ed“ (David Strathairn) den Mittelpunkt der Geschichte bildet, die erzählt wird, dominiert er nicht die Handlung. Die wahre Hauptrolle spielen Gesellschaft und Medien.
Letzteren wird gehuldigt, indem der Apparatus hinter der CBS-Show „See It Now“ eingehend beleuchtet wird, sowohl von menschlicher Seite her, als auch von der technischen.
Zeitgeist wird vermittelt, wenn wir die damals aktuellen Werbespots für Zigaretten mit ansehen oder über die Schultern der Leute gucken, die gebannt auf die Fernsehgeräte in den Schaufenstern der Elektronikgeschäfte starren.
Die Medien können uns unterhalten und amüsieren, sie sind Instrumente, die uns lehren, erleuchten und inspirieren können, schließt Murrow letztlich. Ihr Potenzial ist groß und doch sind sie “just wires and lights in a box.”
Und nach diesem Film wurde uns einmal mehr vor Augen geführt, dass die Macht der Medien darin besteht, Aufmerksamkeit zu schaffen. Eine Nachricht muss keine Wahrheit sein, sie muss nur auf die richtige Art und Weise ins Bild treten um ihren Einfluss entfalten zu können.
Fazit: “Good Night, and Good Luck.” nimmt uns mit auf eine Reise in die Zeit der McCarthy-Prozesse, um uns daran zu zeigen, wie Medien wirken können. Der Film ist optisch kunstvoll und auf eine für Hollywood sehr untypische Weise unterhaltsam. Kein Film für einen lockeren Abend mit Freunden, aber Unterhaltung auf hohem Niveau.
4 Punkte – Anja Habermehl
Regie: George Clooney
Besetzung: David Strathairn, George Clooney, Jeff Daniels, Robert Downey Jr.
USA 2005
Länge: 93 Minuten
Kinostart: 06.04.2006
Webseite:
http://wip.warnerbros.com/goodnightgoodluck/
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