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Home >> Kino: Filme > Das große Krabbeln

Das große Krabbeln

Noch ein komplett computeranimierter Film. Nach "Antz" scheinen ihnen allerdings die Themen auszugehen. Natürlich ist es faszinierend in Welten einzudringen, in denen sich normalerweise kein Spielfilm inszenieren lässt. Ein Ameisenhaufen, wo's krabbelt und wuselt und viele kleine Beine wild durcheinander wirbeln. Wo bekommt man sonst so billig so viele Statisten her, die nie den Fehler machen, im entscheidenden Moment in die Kamera zu blicken.

Was macht diesen Ameisenhaufen nur so attraktiv? Richtig, endlich darf man wieder Geschichten drehen mit guter alter Rollenverteilung. Denn beim Ameisenhaufen gibt es immer eine Königin (soweit die biologische Richtigkeit), und wo's eine Königin hat, ist die Prinzessin nicht weit, der Hofstaat nicht mit seinen willigen Schergen, den Intriganten, dem tumben Fußvolk und – tatam! – dem verkannten Helden. Der darf zum Schluss natürlich das Königreich retten und die Prinzessin erobern.

Dieses schlichte System taucht zwar auch in vielen anderen Produktionen auf, doch gerade bei Disney findet sich die Tierwelt mit seiner archaischen, aber grundguten Ordnung stets als konservatives Grundmuster wieder, das sich durch sämtliche Emanzipationsbewegungen und modernen Strömungen gerettet hat. So kann, niedlich verpackt, Tradiertes als innovative (grusel) Neuerung auf den Markt geworfen werden.

Nach dieser Logik finden wir im "Großen Krabbeln" auch ein eigentlich funktionierendes Staatssystem vor, das von einer außenstehenden Macht bedroht wird. Zwar gibt es im Hofstaat noch die alten Herren und Zauderer, die mit dem erfindungsreichen Helden nichts anfangen können, doch die Sympathie der Prinzessin hat er schon. Seine Verbannung nutzt er denn auch, um seine Ehre wiederherzustellen, denn er möchte zurück ins heimelige und geschützte Sklavendasein, das an sich ja nichts schlechtes hat, weil der Feind da draußen noch viel viel böser ist.

Bei "Antz" hingegen kommt der Feind aus den eigenen Reihen oderDas Große Krabbeln zumindest aus dem selben Haufen. Hier zweifelt der Held an seiner Bestimmung als doofer Hansel auf Lebenszeit, er träumt von einem fernen, besseren Land und deckt eher zufällig im Laufe seiner Flucht einen geplanten Militärputsch auf. Natürlich bleibt die Königin danach unangefochten weiterhin im Amt, doch wird diese Situation immerhin ironisch aufgebrochen.

Bei Disney gilt weiterhin: Mit der Technik in die Zukunft, mit den Themen ins Mittelalter. Denn selbstredend sind die Animationen erste Sahne. Wie sich die Blätter und Gräser im Wind wiegen, das kann jeden Kunstmaler in Entzücken versetzen.

In diesem Film haben die Ameisen übrigens nur vier Beine. Zum Glück wird nicht gesungen.

3 Punkte - Kritik von Judith Göbel

OF: A Bug's Life
Regie: John Lasseter, Andrew Stanton
Musik: Randy Newman
Länge: 95 min.
USA 1998

  

© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Montag, 27. September 2004