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Home >> Kino: Filme > Hannibal

Hannibal

Als Ridley Scott noch gute Regisseure spielte, drehte er Filme wie "Alien" und "Blade Runner". Dann machte er ’ne Menge Scheiß und sieht seinen Hannibal Stern heute wieder aufgehen, da "Gladiator" einen Goldenen Globe abbekam und zwei Handvoll Oscar-Nominierungen obendrauf (in vier Wochen wissen wir’s). Wenn er "Hannibal" mit der gleichen Verbissenheit gedreht hat wie er neulich erstgenannten Preis entgegennahm, ist’s kein Wunder, dass kein fröhlicher Furz draus wurde.

 Quakende Sumpfgewässer, dunkle Ecken, finstere Gesellen, blau-schwarzes Florenz – ich hab das erstmal als Ironie gesehen, ich bin ja nicht so. Eine gut abgehangene Mischung aus Geisterbahn und Gothic und dann noch diese albernen Gruselfratzen – kann ja eigentlich ganz lustig werden. Wollte aber nicht lustig werden, wollte ja ein Schocker sein. Also Schluss mit lustig. Das einzig verbliebene Witzthema wurde dafür zum Running Gag ausgearbeitet. Im ersten Teil hatte es sich schon angedeutet: "Ich erwarte noch einen Freund zum Essen..."  War schon mal ganz gut. Ist aber seitdem nicht totzukriegen (!) – bruhaha.

Was der Film an Witz einsparte, hat er durch Spannung nicht wettgemacht. Die gab’s nämlich auch nicht. Hat mal jemand auf den Zusammenhang von gutem Thriller und Spannung hingewesen? Weil, wenn keine Spannung, dann nix Thriller. Wenn nix subversiv, dann nix Kitzel in Hirnrinde (kicher)?! Ja? Nein? Scott weiß anscheinend auch nicht mehr.

Dafür wurde überall vor ganz Grauslichem und Blut und Gemetzel und Ekeligem hier und Eingeweiden da und psychisch kaum Ertragbarem gewarnt, dass es eine Art hatte. Also stürmten die Massen ins Kino und schliefen ein. Die einzigen, die bleibende psychische SchädenHannibal davongetragen haben, sind ein paar überdrehte Redakteure, von denen man eh schon wusste, dass sie einen an der Klatsche haben, und die die Parole ausriefen, der Film wäre ja so brutal, und daraufhin turnusmäßig die Zensur-Frage stellten. Vielleicht wurde ihnen auch eingebläut, sie sollten kräftig für den Film Werbung machen, was ja auch hervorragend funktioniert hat. Als Dank wurden sie wahrscheinlich zum Essen eingeladen (bruhahahhahahaaaaaaa...).

PS: Lieber Gary Oldman, wenn du weiterhin deine Fresse für immer grauslichere Filme verwursten lässt, auf dass dich mittlerweile niemand mehr erkennt, und noch böser, fieser und gemeiner dreinstarrst als ohnehin schon, dann sag mir doch bitte rechtzeitig Bescheid,  damit ich "Prick Up Your Ears" in der Endlosschleife laufen lasse, um mich daran zu erinnern, dass du mal ein wirklich guter Schauspieler warst.

PPS: Liebe Lina Wertmüller, Giancarlo lässt sich gerade aufschlitzen. Haste nicht mal wieder nen richtigen Job für ihn?

2 Punkte - Kritik von Judith Göbel

Regie: Ridley Scott
Buch: David Mamet, Steven Zaillian;
Kamera: John Mathieson 
Besetzung: Julianne Moore (Clarice Starling), Anthony Hopkins (Hannibal Lecter), Giancarlo Giannini (Vorspeise), Ray Liotta (Sülze), Gary Oldman (Futter);
Länge: 133 min. 
USA 2001

siehe dazu auch das Prequel: "Roter Drache"

  

© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Dienstag, 28. September 2004