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Head in The Clouds
Willkommen im 08/15-ten Liebesfilm im kriegsgeschädigten Europa der 30-er Jahre. Zur
Abwechslung steht diesmal der Spanische Bürgerkrieg im Vordergrund, was aber für die
Romanze zwischen Gilda und Guy keinen großen Unterschied macht.
Wären es nicht Charlize Theron und Stuart Townsend, die die beiden Hauptcharaktere
verkörperten, wäre der Film nur ein weiterer Fall für die "den schauen wir uns irgendwann
mal auf DVD an"-Kategorie. Durch die Verpflichtung der beiden muss man zwar nicht
unbedingt ins Kino, aber es lohnt sich doch meist immer, große Schauspieler auf der
großen Leinwand zu bestaunen. Vor allem Charlize Theron beweist, dass sie sich perfekt
von einem "Monster" zu einer zierlichen Schönheit zurück verwandeln kann. Ihre
Darstellung der Gilda, eine halb Französin, halb Amerikanerin eines nicht gerade armen
Elternhauses, ist sehr ansehbar und überzeugend, hat allerdings einen Nachteil: Durch
Gildas Ignoranz der geschichtlichen Ereignisse zur Pariser Vorkriegszeit, bekommt auch
der Zuseher nur am Rande mit, was in Europa eigentlich vor sich geht. So ist man doch
etwas überrascht, als Guy eines Tages seiner Liebe des Lebens gesteht, dass er mit deren
Wohngenossin und Freundin Mia (Penélope Cruz) nach Spanien aufbricht, um gegen die
Faschisten aktiv zu werden.
Noch überraschender ist allerdings die Zusammenwürfelung der Schauspieler. Charlize
Theron und Penélope Cruz als Freundinnen, ja sogar Geliebte? Das erinnert an die guten,
alten amerikanischen Krimis: Finde zwei total ungleiche Partner mit unterschiedlichen
Interessen, bastle eine Story drum herum und, voilà, fertig ist der Zuschauermagnet.
Obwohl diese Taktik durchaus erfolgsversprechend sein kann, bei "Head in the Clouds" ist
sie es nicht. Zwischen der Oscar-Aktrice (eben für "Monster") und dem Ex-Beiwagerl von
Tom Cruise fehlt die entsprechende Chemie, sodass es ihrer Beziehung, und dadurch
schlussendlich auch der gesamten Geschichte, an Glaubwürdigkeit fehlt.
Apropos Casting! Haben Deutsche bei amerikanischen Produktionen (bzw. in diesem Fall
kanadischen/britischen) nur Chancen auf Aufmerksamkeit durch Auftritte als Offiziere,
Majors oder Soldaten? Kann doch nicht an der fehlenden Kenntnis der englischen Sprache
liegen. Vor allem nicht bei diesem Projekt, das internationaler kaum sein könnte. Allein
durch die drei Hauptdarsteller sind drei verschiedene Nationen vertreten: Südafrika
(Theron), Spanien (Cruz) und Irland (Townsend). Den deutschen Beitrag leistet Thomas
Kretschmann, dessen Rolle als Nazi-Offizier zwar nett (darf man diese Beschreibung in dem
Zusammenhang überhaupt verwenden?), aber nicht herausragend ist.
Neben den schauspielerischen Leistungen und (Nicht)Harmonien zueinander, ist auch
auffallend, mit wie wenigen Schauplätzen der Film auskommt. Lässt man die paar Szenen zu
Beginn in Cambridge, wo Guy und Gilda das erste Mal aufeinander treffen, weg, dann
reduzieren sich fast alle Geschehnisse in und um Gildas Haus in Paris. Selbst als Guy an
der Front kämpft und Mia in einem Krankenlager arbeitet, wird Paris mit seinen
anscheinend nur drei Straßen kaum verlassen. Gilda und ihre Umgebung sollen dadurch das
Herz der Geschichte darstellen, das laut einer Wahrsagerin aber nicht lange schlagen
soll.
Das Herz des Zuschauers jedenfalls wird bei "Head in the Clouds" nicht höher
springen
als bei jeder anderen durchschnittlichen Leinwand-Romanze.
3 Punkte - Kritik von Marlene Frischmann
Regie: John Duigan
Besetzung: Charlize Theron, Stuart Townsend, Penélope Cruz, Thomas Kretschmann
Kanada/UK 2004
Länge: 120 min.
Kinostart: 11.11.2004
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