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 Home >> Kino: Filme >Ein (un)möglicher Härtefall

Ein (un)möglicher Härtefall - Intolerable Cruelty

Liebe Hessen und Hessinnen, wisst Ihr, was das Schöne an Euerm Land ist? Ich mein jetzt, außer Handkäs? Ja? Eben: Bei Euch gibt’s verfassungsmäßig noch die Todesstrafe. Könntet Ihr also nicht mal irgendwie final darauf einwirken, was die Titelgeber resp. Übersetzer fremdsprachiger Kinotitel anbelangt? Da muss sich doch was tun lassen. Danke. Soweit das Intro.

Der Härtefall: George Clooney und Catherine Zeta-Jones in einer romantischen Komödie der Coen-Brüder. Was mich davon abhält, jetzt schon von der Klippe zu springen, ist nur die Aussicht, dass es beim nächsten Coen-Film noch schlimmer kommen wird, und das muss ich mir selbstverständlich erst noch anschauen: Es wird gemunkelt, die Brüder hätten gerade das Remake von "Ladykillers" abgedreht, worin - Achtung, festhalten - Tom Hanks die Hauptrolle spielt. Sollte das alles wirklich wahr sein, haben wir mit "Intolerable Cruelty" vielleicht noch Glück gehabt. Ihr seit Jahren angekündigtes Projekt "To The Deep Sea" ist übrigens mittlerweile den Weg des Titels gegangen und in den Tiefen des Ozeans versunken.

Aber jetzt zu "Intolerable Cruelty": Neinnein, der Film ist nicht schlecht, nein, nicht wirklich schlecht in dem Sinne. Schlecht nicht, nein. Aber (schnüff, könnte mir jemand ein Taschentuch reichen), es ist, nunja, irgendein ... Film. Eine nette Komödie. Ein netter Film. "Nett" rangiert bei mir ziemlich weit oben auf der Liste allergieauslösender Wörter. In Zusammenhang mit den Coens ergibt "nett" eine echte Katastrophe. Nett und harmlos und belanglos. Hört mir bloß auf, mich darauf hinzuweisen, dass sie bösartige Spitzen gegen die High Society eingebaut haben, dass sie der dämlichen Verleihbeschreibung von der "romantischen Komödie" natürlich ihre eigenen Gesetze aufgedrückt und das Ganze mit Lug und Trug garniert haben. Dazu lassen sie ein paar Coen’sche Elemente einfließen, vom Übervater im Endstadium des Siechtums bis zu Billy Bob Thorntons Gastauftritt als Quasselstrippe. Das alles ist ganz witzig. Nett und ganz witzig. Es ist zum Heulen.

Die letzte Viertelstunde des Films hat mich wieder ein bisschen aufgebaut und gezeigt, was alles hätte möglich sein können. Der Keuchende Killer ist wirklich groß. Auch der Clooney Schorsch ist allerliebst und fühlt sich sichtlich wohl bei den Coens. Und Ein (un)möglicher Härtefall - ein unmöglicher Titel.... meinetwegen ist auch Catherine Zeta-Jones ein nicht nur ansehnliches, sondern auch toughes Schnittchen. Aber, Jungs, Ihr könnt mir doch beim besten Willen nicht erzählen, dass Euch gerade nichts anderes eingefallen ist, als ein Secondhand-Drehbuch zu überarbeiten. Hing Euch das Studio so mit unbezahlten Rechnungen im Nacken, dass Ihr diesen Job einfach machen musstet? Habt Ihr Euch neue Pseudonyme zugelegt? Oder hockt Ihr jetzt wieder in New York und grinst Euch eins über Eure Cleverness, mal wieder mit hollywood’schen Mitteln Hollywood übers Ohr gehauen zu haben?

Vor lauter Frust musste ich mir die DVD von "Hudsucker Proxy" kaufen, den ich auch nicht gerade ein Highlight ihrer Karriere finde, der aber gerade auf dem Krabbeltisch verfügbar war, und ich benötigte dringend etwas Methadon für meine geschundenen Fan-Rezeptoren. Außerdem ist justament Lars von Triers "Dogville" angelaufen, und wer wenigstens noch ETWAS Spaß im Leben haben will, sollte sich dann doch lieber den "Härtefall" anschauen.

Ein Film für das Rudel Teenager, das mit uns in der Nachmittagsvorstellung saß.

PS: Schnüff...

3 Punkte - Kritik von Judith Göbel

Regie: Joel und Ethan Coen
Besetzung: George Clooney, Catherine Zeta-Jones, Billy Bob Thornton
USA 2003

Mehr über die Coens
Vom selben Regisseur: The Man Who wasn't there

  

© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Dienstag, 28. September 2004