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Jackie Brown
Tarantinos neuer Film läuft relativ überraschungsfrei ab. Natürlich sagen alle Schwarzen wieder
Nigger zueinander, manchmal legen sich auch die Gangster gegenseitig um. Seine Dialoge sind wieder herzallerliebst, und er hat die passenden Schauspieler, damit sie auch standesgemäß rüberkommen.
Als die größte Überraschung wurde das Comeback von Pam Grier angekündigt, eine Schauspielerin von der die Tarantino-hörige Generation wahrscheinlich noch nie zuvor etwas gehört hat (eben weil sie bei "Reservoir Dogs" nicht richtig zugehört hat). Und wer kennt Robert Forster? Ich dachte immer, das wär' der Sänger einer britischen Band. Aber beide vergessenen Dinosaurier machen ihre Sachen unabhängig von den vertrauten Abläufen sehr gut. Mit aller Seelenruhe legen Grier und Forster Polizei und Gangster rein, um sich ihren zukünftigen Rentenunterhalt zu sichern.
Daß das alles so ruhig abgeht, unterscheidet den Film von Tarantinos Vorgängern, macht ihn allerdings auch schrecklich vorhersehbar, alles geht so glatt vonstatten, daß die Kamera einmal ganz unruhig wird, aber - ha! - war ja nur ein Trick: Die Frau ist ja gar nicht beunruhigt, wie die Kamera suggerieren will, die tut nur so, um die Polizei (und uns!) zu täuschen. Dann ist es halt auch schon wieder vorbei. Wir werden zügig über die wahren Vorkommnisse und Absichten aufgeklärt, mittels mehrerer Sequenzen, die plötzlich nicht mehr der Chronologie folgen
– das kommt dann doch etwas überraschend. Da darf man sich dann einige Minuten lang fragen, wann was war (wer achtet denn schon auf eingeblendete Uhrzeiten)?
Also nochmal: Keine Überraschungen. Das ist wahrscheinlich das Überraschende. Alle Kritiker seufzen, daß Tarantino jetzt endlich erwachsen wäre und souverän alle Erwartungen umgangen hätte oder so ähnlich. Der Tarantino-Gemeinde wird dafür vor Schreck der Quarter-Pounder aus dem Mund fallen.
4 Punkte - Kritik von
Judith Göbel
Vom selben Regisseur: Kill
Bill (Vol. 1)
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