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Kill Bill – Vill ... äh ... Vol. 1
Endlich wieder Zoff, endlich wieder zerrüttete Beziehungen, heiße Diskurse, wilde
Wortgefechte, erbitterte Feindschaften, Beschimpfungen und allgemeines Unverständnis.
Super-Quentchen hat es wieder geschafft: Legt seinen viereinvierteligen Film vor und
alle drehen durch. Uma Thurman rächt sich als fast gekillte Braut an ihren Peinigerinnen nebst deren
Schergen und sieht dabei verdammt gut bzw. verflucht angeschlagen aus. In mundgerechte Stückchen verpackt bekommen wir etliche Vorgeschichten und Lebensläufe
erzählt, es gibt Rückblenden und Einschübe, mal wird einem schwarz-weiß vor Augen, mal
hüpfen Zeichentrickfiguren durchs Gemetzel. Man könnte fast meinen, man wär’ bei
Oliver Stone gelandet. DAS wäre wirklich ein Alptraum.
Konsequent verfolgt Tarantino seine Heldin bei der Abarbeitung verschiedener "Lara
Croft"-Level, wobei uns-Uma glücklicherweise nicht deren aseptische Glätte besitzt.
Diese Nummernrevuen bewirken, dass nun manche behaupten, der Film hätte keine
Handlung. Das ist Blödsinn. Natürlich hat er eine, eine sehr klare. Das Gähn-Epos
"Hero" beispielsweise hatte wesentlich weniger. Da wurde zwar stundenlang ganz apart
durch die Luft gehüpft, der Gegner aber schließlich gnadenlos durch Langeweile
geschrägt. "Kill Bill" hört wenigstens nach anderthalb Stunden auf. Bis dann der
zweite Teil im Februar in die Kinos kommt, sind wir schon zehnmal durch blutdurchtränkte Pellenor-Felder gewatet. Da kann uns nichts mehr schrecken.
Wer möchte, kann den Film für’s nächste Seminar heranziehen: In welcher Form wird
Gewalt dargestellt und wie wirkt sie? Schaut Euch diesen Film an, und Ihr werdet alle
Beispiele vorfinden. Wie wirkt Gewalt in realistischer Darstellung, als Slapstick-Trash (abgetrennte Gliedmaßen und Blutfontänen - haben da nicht die Monty
Pythons seit der Schwarzen Ritter-Szene in "Die Ritter der Kokosnuss" das Copyright
drauf?), als Zeichentrick, wie in Schwarz-Weiß, wie in Farbe, in Zeitlupe, als
Ellipse, als Einzelschicksal oder als Massenschlacht. Wie wirkt Gewalt, wenn die
Rollen getauscht werden? Wie, wenn die Frau die Rächerin spielt? Weil sie Rache will
für Mord und Totschlag, für Vergewaltigung und Verrat. Darf sie das? Und was ist, wenn
Kinder ins Spiel kommen, als Augenzeugen, als Betroffene, als zukünftige Rächer, usw.
usf. ... - das ist doch schon mal was. Und wo hat die Braut nur das Geld für das
Flugticket her? Und ist ein Soundtrack, auf dem eine Panflöte ertönt, nicht eigentlich
viel grausamer?
Angst habe ich im Grunde nur vor den Berufscoolen, die jetzt wieder die Straßen
bevölkern werden. Wobei es mich auch nicht fröhlicher stimmt, wenn beim nächsten
Schulmassaker mal zur Abwechslung ein Mädchen auf ihr neues Vorbild verweisen wird.
Dabei reicht doch für ein Erfolgserlebnis manchmal einfach das Bewegen des großen
Zehs.
Ein Film für komplett Bekloppte oder/und tapfere
Medienwissenschaftler.
4 Punkte - Kritik von Judith Göbel

Vom selben Regisseur: Jackie
Brown
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