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Home >> Kino: Filme > Liebe mich, wenn du dich traust

Liebe mich, wenn du dich traust

Dank des Films "Die fabelhafte Welt der Amelie" wurden die Farben Grün und Orange für den französischsprachigen Film entdeckt. Aus diesem Ereignis zieht auch "Liebe mich, wenn du dich traust" einen nicht unerheblichen Vorteil.

Irgendwo in Belgien: Julien lebt im etwas gehobeneren Viertel, Sophie im schäbigen sozialen Wohnungsklotz. Erst acht Jahre alt, haben beide schon Probleme: Juliens Mutter hat Krebs und Sophie wird als "Polackin" beschimpft. Sie freunden sich beide an und schließen ein Bündnis, bei dem sie sich immer obskurere Aufgaben und Mutproben stellen. Als Pfand wird eine Spieldose hin- und hergegeben. Irgendwann sind beide erwachsen, doch das Spiel dauert noch immer, und aus Freundschaft hätte schon längst Liebe werden können, wenn da nicht die ganzen Wetten wären... 

Was als fast surreales Komödie anfängt entwickelt sich mehr und mehr zu einem Drama, einem Liebesfilm, dessen Protagonisten eigene Regeln aufstellen, die nicht immer mit denen der Umwelt in Einklang zu bringen sind. Das ist zum einen zwar ganz amüsant, verhindert jedoch, dass man mit Julien und Sophie mitfühlen kann - und zwar ausgerechnet in dem Moment, als es anfängt ernst zu werden.

Liebe mich wenn du dich traustInteressant ist der Film durch seine formale Machart. Nach dem Pressetext dachte ich anfangs mich würde einer von diesen nicht sonderlich witzigen, schwül-erotischen amourfous im Stil von "Betty Blue" erwarten. Von daher war ich zu Beginn ganz glücklich enttäuscht. Denn die Phantasiewelt der Kinder ist eine bunte, abgedrehte Rettungsinsel vor der obskuren Außenwelt (auch wenn einen dauernd nicht zu umgehende Assoziationen zu "Amelie" heimsuchen). Doch dann verpasst der Film einen nachvollziehbaren Wechsel von dieser Welt in die ernsthafte des Erwachsenwerdens. Passenderweise übrigens ebenso wie die Beteiligten. Der zunehmenden Realität, die den Film fast in einen Psychothriller umkippen lässt, mag man dann nicht mehr so recht folgen.

Das Lied "La vie en rose" kommt übrigens in einer Ballung vor, wie man es kaum für möglich gehalten hätte, gibt es doch kaum etwas Bekannteres und leider auch Überstrapaziertes. Doch in den einzelnen Variationen (von Edith Piaf bis Louis Armstrong) kann man der ollen Schmonzette glatt wieder was abgewinnen.

3 Punkte - Kritik von Judith Göbel

Regie: Yann Samuell
Besetzung: Guillaume Canet (Julien), Marion Cotillard (Sophie), Emmanuelle Grönvold, Gerard Watkins
F/B 2003
Länge: 90 min.

  

© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Donnerstag, 12. August 2004