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Home >> Kino: Filme > Lost in Translation

Lost in Translation

Wer "Rushmore" und "Ghost World" mochte, kann seinen Themenabend nun mit "Lost in Translation" abrunden. Die wahren Helden im falschen Leben werden hier von Bill Murray (als Bob Harris) und Scarlett Johansson (als Charlotte) dargestellt, und man sollte sie dabei hemmungslos lieben. Zwei Seelenverwandte treffen aufeinander und verbünden sich in einer Welt, in der sie zwar mitten drin stecken, aber schon lange nicht mehr dazugehören. Die Stadt Tokio ist dabei bildgewordener Ausdruck dieser Entfremdung. Alles ist zu schrill, zu laut, zu grell. Daddelautomaten und Karaokewettbewerbe flexen einem die Gehörgänge glatt. Die Hotelangestellten grüßen unentwegt, Freunde geben Partys, alle sind bemüht, alle sind freundlich, aber was zur Hölle wollen die von einem? Selbst höfliche Übersetzungen helfen nicht weiter, sondern tragen noch zur Verwirrung bei. Man versteht diese Welt einfach nicht mehr - auf ganzer Linie.

Auch die einst so glücklichen Verbindungen zu den eigenen Landsleuten sind gestört: Für Bobs in den USA gebliebene Ehefrau scheint sich alles nur um die Farbe des neuen Teppichbodens zu drehen, für Scarletts Mann ist seine Fotografie das Wichtigste. Und während alle Welt denkt, sie würden sich prächtig amüsieren, treiben sich Charlotte und Bob schlaflos in Tokio rum und stolpern dabei in Szenen, die nicht nur Einblicke in eine höchst seltsame Kultur geben, sondern die gesamte Umwelt als ein groteskes Rätsel erscheinen lassen.

Der Film durchsetzt sein schwermütiges Thema über Einsamkeit und Unverständnis mit mal leisen, mal brüllkomischen Szenen. Dabei ist er auch noch auf entkitschte Weise sehr liebevoll. Mit umwerfender Zärtlichkeit lässt er aber keinen Romantizismus aufkommen: Wenn eine Hand auf einen nackten Fuß gelegt wird, ist das so selbstverständlich und naheliegend, dass man nur noch glücklich in sein Popcorn glucksen kann. 

Der Film zeigt, dass manche Begegnungen nicht das gesamte LebenLost in Translation umkrempeln müssen, aber dennoch einen Eindruck hinterlassen, an den man sich den Rest seines Lebens erinnern wird. Natürlich hat eher Bill Murray mit seiner großartigen Darstellung die Lacher auf seiner Seite, während Scarlett Johansson eher die mehr still-verzweifelten Momente trägt und erst mit Murray zusammen ungeahnte Fähigkeiten entwickelt. Dass das etwas ungerecht ist und der Film auch ansonsten ein paar unnötige Längen aufweist, sei hier als kleiner Makel vermerkt. Insgesamt ist das aber ein bittersüßer, rundum gelungener Auftakt zum neuen Kinojahr.

5 Punkte - Kritik von Judith Göbel

Regie /Buch: Sofia Coppola
Besetzung: Bill Murray, Scarlett Johansson, Giovanni Ribisi, Anna Faris
USA 2003

  

© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Sonntag, 06. Juni 2004