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Panic Room
Fincher, alte Socke, verrat mir die Pointe.
Sag mir beispielsweise, der Produktionsleiter ist zu dir gekommen und hat dir ein Drehbuch seines Neffen vorgelegt (solider junger Mann), und da du dem Produktionschef noch einen Gefallen schuldig warst, hast du dir das Drehbuch durchgelesen, hier noch ein Fitzelchen Dialog hinzugefügt und dort noch ein Futzelchen Handlung gekürzt und dem Chef gesagt: "OK, ich tu's." Das hat dir die alleinigen Schnittrechte für deinen nächsten Streifen eingebracht und den Neffen glücklich gemacht, der ja demnächst vielleicht mit im Vorstand hockt.
Oder erzähl mir, dass du dir dachtest "Ich hab das Publikum so mit "Seven" und "Fight Club" verstört, die erwarten jetzt bestimmt von mir, dass ich das wieder tue. Aber ich will mal was anderes versuchen, was ganz Einfaches, eine ganz simple Ausgangsidee. Ich will versuchen, ob ich auch das spannend erzählen kann. Außerdem liebe ich die Menschen."
Dann hast du dir diesen Kameramann geschnappt, der dieses Händchen für Schwebezustände hat und Licht und Schatten ganz wunderbar setzen kann, besonders wenn es graugrün werden soll. Und die Setdesignerin hat dieses tolle Haus gefunden, dieses Labyrinth, dieses Sinnbild unserer Zeit. Denn auch die Zeit hat für dich gearbeitet. Ja, stimmt es denn nicht, dass sich unsere freiheitliche westliche Welt gerade einigelt, um sich vor dem draußen lauernden Bösen abzuschotten, und dann dringt das Fremde doch ein? Vertreten wird es durch a) den eigentlich Guten, der sich aber durch die wirtschaftliche Lage seiner Familie zu einem Verbrechen gezwungen sieht, den b) Wirrkopf, der seine Chance gekommen sieht, sich des Reichtums anzunehmen bevor es durch die Erben zerstört wird, und c) den wirklich fiesen Typen, bei dem zwar niemand genau weiß, woher er kommt, bei dem aber klar ist, beim Gehen wird er dies über Leichen tun. Aber da die Kavallerie rechtzeitig kommt, siegen natürlich die Guten.
Damit ließe sich so manches Filmanalyse-Seminar bestreiten.
Oder (letzte Möglichkeit, dann hör ich auch auf) dachtest du dir: "Fuck you. Wenn ihr blöden Produktionschefs mir schon wieder in mein totgeniales Drehbuch reinredet und die besten Stellen streicht, weil ihr immer noch Schiss vor subversiven Inhalten habt, dann werde ich die verstümmelten Szenen so plattwalzen, dass jeder im Publikum merken MUSS, dass da was fehlt." Und so hieltest du die Kamera auch noch drauf, als es schon gar nichts mehr zu erzählen gab und die Handlung schon längst fertig war. Und das Publikum saß tatsächlich da und wartete erfolglos auf die Pointe.
Deshalb dachte ich, du könntest sie mir jetzt wenigstens verraten.
3 Punkte - Kritik von Judith Göbel
Regie: David Fincher
Besetzung: Jodie Foster, Forrest Whittaker
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