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Star Wars
Episode I – Die dunkle Bedrohung
Wie war das jetzt? Enttäuschte Fans kommen euphorisiert aus dem Kino, weil der Film
zwar Scheiße war, aber: "Hey, es ist schließlich Star Wars" – bei
Marienerscheinungen beschwert man sich schließlich auch nicht über die Inszenierung? Und
die Schar der Berufskritischen kapituliert angesichts eines schlechten Films, weil er ein
"Phänomen" darstellt, dem man sich angeblich nicht entziehen kann
– sei es auch
nur, weil man mal wieder Bettwäsche kaufen möchte, auf der kein Jar Jar Binks
aufgedruckt ist?
Warum gehe ich dann trotzdem in diesen Film? Weil ich gerade im Urlaub bin, den ganzen Tag
Wien zu Fuß durchkreuzt habe und ich hoffe, mit einem flotten Actionpaket diese
klassizistische und barocke Überdosis kompensieren zu können, und ich einen
hundertwasserfreien Raum betreten möchte, eckig und dunkel. Gute Ausrede,
selbstverständlich wäre ich auch in heimischen Gefilden irgendwann nach Abklingen der
kostümierten und mit Plastikleuchtschwertern bewaffneten Masse ins Kino gestolpert.
Da sitzen wir also nun und schauen uns einen langweiligen Film an. Natürlich muss man
den Aufwand an digitalem Material bewundern, die Möglichkeiten des Machbaren, die
Selbstverständlichkeit, mit der hier Reales und Digitales kombiniert wird. Aber wir
staunen auch über diese unfassbare Ignoranz gegenüber einfachsten dramaturgischen
Gesetzen, gegenüber Spannungsaufbau und Humor, Vergeudung guter Ideen und eigentlich
guter Schauspieler.
Dann ist der Film zuende. Sehr schnell füllen beim Herauswanken drängende Fragen das
Hirn: "Und das war's jetzt? Dafür der ganze Aufwand?" Wenn er wenigstens
einfach und allein ein guter ScienceFiction-Film hätte sein wollen, aber diese Mühe gibt
er sich noch nicht einmal. Er setzt voll und ganz auf die devote Haltung einer
paralysierten Fangemeinde, die in jeden Scheiß reinrennen wird, solange "Star
Wars" draufsteht und es sich zu Trinkbechern verarbeiten lässt. Er zehrt vom Mythos
und dem festen Platz seiner Vorgänger in der Filmgeschichtsschreibung. Die waren auf
ihre Weise auch schon schauderhaft, aber wenigstens spannend. In dieser Folge jedoch
bekommen wir selbst die Funktionsweise der "Macht" erklärt: Kleine Viecher, die
in unserer Blutbahn rumsausen und uns gewünschte Verhaltensweisen ins Ohr flüstern. Die
unnötigste Erklärung, die je die Feder eines Drehbuchautoren verlassen hat. Denn wenn es
je etwas gab, das wir nie geklärt haben wollten, dann war es die "Macht". Damit
schießt sich der Mythos selbst ins Bein.
Und deshalb soll man in diesen Film reingehen: Um große Ideen scheitern zu sehen.
2 Punkte - Kritik von
Judith Göbel
OF: Star Wars - Episode 1: The Phantom Menace
Regie, Buch: George Lucas
Kamera: David Tattersall
Besetzung: Liam Neeson (Gin Tonic), Ewan McGregor (Alles Bei Obi), Natalie
Portman, Jake Lloyd, Ian McDiarmid, Samuel L. Jackson
Länge: 133 min.
USA 1999
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