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Home >> Kino: Filme > The Stratosphere Girl

The Stratosphere Girl

Wollte ein Regisseur einmal einen Film drehen. Eine Geschichte hatte er nicht, nur eine ungefähre Idee. Ein Krimi sollte es werden, aber nicht im herkömmlichen Sinn, vielmehr sollte der Krimi im Kopf der Filmheldin entstehen, oder dort zumindest zu Ende geführt werden. Der Regisseur ist Comic-Fan und mag französische, belgische und natürlich auch japanische Comics, Mangas also. Er lernt eine Frau kennen und die erzählt ihm, dass sie in Tokio in einer Animierbar als Hostess arbeitete. Und jetzt hatte der Regisseur seine Geschichte. Die geht so:

Trifft eine verträumte Teenagerin (Angela) einen DJ (Yamamoto) aus Japan. Und weil die Nacht lau ist und die Emotionen frei liegen, nimmt sie Yamamotos Einladung nach Japan an. Angela ist Comiczeichnerin mit einem flinken Stift und einer lebhaften Phantasie und handelt getreu ihrem Mantra und dem ihrer Comichelden: "Hero is a word for what you think is right" und setzt sich in ein Flugzeug nach Japan. Denn "Every line leads to somewhere", so auch eine einmal ausgesponnene Story Line. In Tokio angekommen, läuft die bis dahin reizende verträumte Geschichte, bei der sich so unaufwändig Erzählebenen, Realität und Filmgeschichte verweben, leider komplett aus dem (Comic-) Rahmen. Plötzlich hat man den Eindruck, dass man die Welt nicht mehr durch die Augen eines Teenagers betrachtet, sondern durch die des Regisseurs Matthias X. Oberg. Und was man sieht ist brutal, verwirrend und abstoßend und macht überhaupt keine Lust auf mehr. Denn zu allem Überfluss geht Oberg beim Kucken und Staunen über die fremde Stadt auch noch seine Geschichte verloren.

Was jetzt passiert, ist absurd: Ein Verbrechen ist geschehen, eine Hostess aus der Ukraine ist aus der Gruppe von Hostessen, in der auch Angela arbeitet, verschwunden. Ein Böser steht im Verdacht, die Ukrainerin hops genommen zu haben. Warum? Weiß man nicht. Damit man dem Bösen glaubt, kuckt der so böse, wie man nur in Comics böse kuckt. So denkt Oberg. Damit wir aber wirklich glauben, wie böse er ist, kuckt Angela ihrerseits bei jedem Kontakt mit ihm so lolitahaft, unschuldig und ängstlich, wie es leider auch im Comic übertrieben wäre. Und am Ende war alles in Angelas Phantasie, weil gar nichts passiert ist, oder nicht das, was wir gesehen haben? Man weiß es nicht, weiß nicht wozu und kümmert sich auch nicht mehr. 

The Stratosphere GirlÜberhaupt Angela. Man glaubt leider auch ihr... nichts. Sie ist von allem ein bisschen zu viel. Zu sexy, zu jung, zu schön. Das ginge aber vielleicht noch, schließlich ist dies der erste Film der damaligen Schülerin Chloé Winkel. Dass man am Film verzweifelt, liegt vor allem daran, dass der Regisseur keine Richtung hat, keine Idee, wie es wieder spannend werden kann, jetzt, nachdem ein Klischee nach dem anderen aufgetaucht ist. Er will einen Comic machen, oder kopieren, dann aber wieder nicht, er sucht sich die lustigste Stadt aus, die es gibt, weiß aber nicht, wie böse er werden darf, damit der Film noch vor Jugendlichen gezeigt werden darf. Er möchte eine düstere Geschichte erzählen und man vermutet stark, dass er aus Ermangelung an eigener Phantasie einfach ein bisschen auf David Lynch macht. 

Als Oberg und seine Crew in Tokio sind, herrscht dort großer Bahnhof. Sofia Coppola beginnt gerade mit den Dreharbeiten zu "Lost in Translation", Godard ist da und auch Tarantino fehlen noch ein paar Szenen, und zwar zu "Kill Bill". Und es ist schon interessant, zu sehen, wie differenziert und komisch ein Blick auf eine fremde Stadt sein kann, wenn man sich wie Coppola bemüht, diesen Blick zu finden. Wenn man es nicht tut, entsteht ein großer, bunter, manchmal auch arg düsterer Brei, wegen dessen man nicht hätte kommen müssen, sondern gleich im Studio in Deutschland hätte bleiben können, wo der Großteil der Innenaufnahmen entstanden. 

Also alles eine Mogelpackung? Nicht ganz. Michael Mieke, der Kameramann, findet skurrile und außergewöhnliche Bilder, die allerdings der Geschichte nicht das Hanebüchene und den Figuren nicht das klischeehaft Überzeichnete nehmen können. Dieser Film begeistert nicht einmal eingefleischte Comicfans. Vielleicht hätte Oberg in Deutschland bleiben sollen. Auch hier gibt’s ja ganz nett was zu erzählen.

1 Punkt - Kritik von Christoph Brandl

Regie: M.X. Oberg
Besetzung: Chloe Winkel, Jon Yang, Rebecca Palmer, Tuva Novotny, Tara Elders 
Deutschland 2003, 85 min.,
Kinostart: 2. September 2004

Offizielle Homepage:
http://www.stratospheregirl.com/_pages/director.php

  

© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Montag, 09. August 2004