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Die Thuranos - Leben auf dem
Drahtseil
ist ein Film von Kerstin Stutterheim und Niels Bolbrinker,
deren letzte gemeinsame Arbeit "It don't mean a thing, if it ain't got that swing", einem Dokumentarfilm, der sich mit der Vergangenheit und Gegenwart des Swings in Europa auseinandersetzt, dem ein oder anderen vielleicht bekannt ist.
"Die Thuranos - Leben auf dem Drahtseil" handelt von
der Familie Thur, genannt "Die Thuranos", einer Artistenfamilie aus
Deutschland. Der Film nimmt einen mit in die Welt der Thuranos, von den Anfängen bis
heute, gewährt tiefe Einblicke ins Familienleben einer Familie, die seit mehr als 75 Jahren auf den Bühnen dieser Welt unterwegs ist. Was Konrad
Thur mit dem Älterwerden an Fitness einbüßte, machte mit seiner Ausstrahlung und seinem unverwechselbaren Humor wieder wett. So kam es, dass sich der "Crazy Wire Act",
die erfolgreichste Darbietung der Thuranos, bis heute gehalten hat. Konrad
Thur ist mit 95 Jahren der älteste noch aktive Varietékünstler der Welt.
Die Filmemacher halten sich völlig im Hintergrund, sind niemals zu sehen oder zu hören, kommentieren durch die Auswahl und den Schnitt des Filmmaterials, z.B. werden kurze Hänger von Konrad Thurano beim Sprechen drinnen gelassen. Sie lassen die Familienmitglieder erzählen, wie ihr Leben war, wie es jetzt ist, stets mit Blick auf Konrad
Thur, dem Mann, der in dieser Familie die Hauptrolle spielt. Als roter Faden dienen Ausschnitte aus der aktuellen Bühnenshow,
die immer wieder eingespielt werden. Man sieht den gesamten Auftritt in Ausschnitten auf den Film
verteilt, die sich mit Interviews der Familienmitglieder und vielen Aufnahmen aus dem privaten Filmarchiv der
Thuranos abwechseln, die so wohl noch nie zu sehen waren.
Die Montage der Beiträge ist angenehm anzusehen, weil ausgewogen in ihrer Dauer, so dass keine Langatmigkeit
– der Tod für Unterhaltung in Dokumentarfilmen –
aufkommt .In der Mitte des
Films sind die einzelnen Sequenzen länger, häufig werden Wüstenlandschaften gezeigt. Dies erzeugt eine bedrückende Atmosphäre. Tribut an die einzige Stelle, an der Nationalsozialismus und Apartheid überhaupt eine Rolle spielen.
Etwas seltsam bleibt der Umstand, dass der Nationalsozialismus kaum thematisiert
wird und die Apartheid in Südafrika nicht wirklich angesprochen wird, schließlich verbrachten die Thuranos
dort 20 Jahre.
Im Großen und Ganzen lässt der Film gekonnt die Faszination Zirkus aufleben, besonders durch den Charme, der von Konrad Thurano ausgestrahlt
wird – einem Zirkusmann allererster Güte. Der Film lief bereits am
22. Dezember 2003 auf
arte und hat mit voller Berechtigung seinen Weg ins Kino gefunden.
4 Punkte - Kritik von Robert Quies
Regie: Kerstin Stutterheim, Niels Bolbrinker
mit Konrad Thur, Henriette Thur, Marjolyn Thur, Johannes Thur, Sabine Seidel, Jeanette Thur, Lew
Meatchem, Winnie Meatchem, Bernhard Paul
Länge: 90 min.
BRD 2003
Kinostart: 05.08.2004
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