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Home >> Kino: Filme > (T)Raumschiff Surprise

(T)Raumschiff Surprise - Periode 1

OK, Leute, das war’s. Ich habe ihnen eine reelle Chance gegeben. Ich war angetreten, alle Gerüchte über das triste Humorvegetieren der Deutschen Lügen zu strafen, ein Kinoticket zu lösen und jahahahaa jawollja seinen Komödianten ein Hoch auszubringen. "Germanikus" Anfang des Jahres hatte ich mir wohlweislich noch geschenkt. Aber "Der Wixxer" sollte eitel Parodie werden und endlich Sonnenschein ins Gemüt bringen - und reichte dann doch nur für ein winselndes Lächeln (seitdem breche ich bei "Kalkofes Mattscheibe" immer in Tränen aus - wegen der guten alten Zeit). Doch ich ließ mich nicht entmutigen: "Traumschiff Surprise" hieß meine Endstation Sehnsucht, und obwohl ich der ganzen Mischpoke der heimatlichen Fernsehhumoristen nicht sonderlich viel abgewinnen kann und auch die "Bully-Parade" wenn nur aus Versehen gucke, so hatte dieser Regisseur doch mein Zwerchfell-Herz gewonnen: Gutes Timing, Sinn für milde abdriftenden Wahnsinn, für Abstruses und erschütternd Albernes - ich war mit der Gesamtsituation recht zufrieden, ja, das konnte etwas werden. Vor allem hatte ich einst den "Schuh des Manitu" im Kino ignoriert, wurde per DVD schließlich eines besseren belehrt, und nun wollte ich alles alles wieder gut machen. Also stürzte ich gleich am ersten Spieltag in die volle Vorstellung, quetschte mich in die zweite Reihe, verspritzte fröhlich Popcorn, verstreute Bier und erfreute mich abermals an der Sparkassen-Werbung ("Wir.... passen einfach nicht zusammen."). Dann wurde es finster um mich.

Was als kurze Sketch-Skizzen* noch funktionieren mag, dünnt mit der Länge des Films aus. In Sachen Langfilm haben die ansässigen Humorproduzenten ein echtes Problem. Ja, das Leichte ist immer noch das Schwerste, und ich zünde eine Kerze an für den Gott der Abreißkalender-Sprüche.

Die Trullas gingen mir dabei besonders auf den Wecker, da sich hieraus keinerlei Witz ergab, der die Durchschlagskraft eines Puderpuschels erreicht hätte. Obwohl das ja eigentlich DER große Gag sein sollte: Die "Mädchen-WG im All". Es hat nicht funktioniert. Vor allem müde Scherzchen á la "Der Mars macht mobil" sollte Herbig gefälligst rauslassen. Auch solche Zitate wie "Wir dürfen jetzt nicht den Sand in den Kopf stecken" sind in der realen Vorlage von Lothar Matthäus bereits eine peinvolle Panne. Dummheit zu reproduzieren macht sie nicht erträglicher, weil das leider genau jenes besserwisserische Einverständnis-Gehöhne von Leuten auslöst, denen sich der Ausspruch auch erst erschloss, nachdem er zwei Runden im Hirn gedreht hatte. Die Fallhöhe war zu gering, als dass sich etwas wirklich Witzig-Überraschendes entwickelt hätte. Zum Glück fröhnen die Macher wenigstens nicht dem Traumschiff Surprise Pointen-Fetischismus. Denn Herbig hat einige Ideen, gute Schauspieler und Sinn fürs Visuelle (und Akustische), und deshalb ist es umso ärgerlicher, wenn daraus nichts wird. An den abschließenden Outtakes konnte man wieder den Spaß erkennen, den es wohl macht, solche Filme zu drehen. Schade, dass wir nicht dabei waren. Wie gesagt: Die special effects waren eindrucksvoll und durchaus eine Preisung würdig. Ergibt halt noch keinen guten Film, schafft aber Referenzen für Auswärts.

Wie schon der "WiXXer" so steckt auch dieser Film im Dilemma der Parodie des eh nicht mehr Ernstzunehmenden: Die "Star Wars"-Filme sind bereits ein Witz ihrer selbst und Jens Maul ist als "Lord Helmchen"-Verweis die Parodie der Parodie. Sogar die Wiederaufbereitung der "Manitu"-Kulissen ließ einen sehnsuchtsvoll an den Vorgängerfilm denken. Einen wuchtigen "Straight to Hell"-Auftritt wie von Sky Dumont im "Manitu" hätte man sich allerdings für Til Schweiger gewünscht, aber so blieb er als Heteroschnittchen enttäuschend schal .

Das Ganze gönge mir ja meterweit an den Synapsen vorbei, wenn nicht so ein Gewese um den Film gemacht würde. Filme wie "Mädchen Mädchen Teil 287" oder "Sonnenbrand und Pustelflecken" kann ich getrost ignorieren und sie den alkopopisierten Fans solcher Szenarien überlassen. Aber wenn mir erst wie Speck mit Ei und Extra-Druff ein Film als Rettung des Deutschen Films angepriesen wird und ich mich dann derart enttäuscht sehe - DA reagiere ich doch mit Liebesentzug! Ein echter Witzitus Interruptus: Kurz vorm Ablachen kriegt man die Nudel zugedreht. Schön ist das nicht (vor allem als Frau... auch egal... sollte ich mich mal im Bild vergreifen, sagt mir nicht Bescheid).

Welches Gesetz schreibt eigentlich vor, dass ein nicht geringer Teil des Witzpotentials bereits im Trailer verheizt werden muss? Das schafft zwar Vorfreude auf den Film, führt dann aber beim erfolgenden Kinobesuch zu misslicher Stimmung, weil nach den Appetithäppchen nichts mehr zum Sattmachen nachgeschoben wird.

Und wisst ihr, was uns als nächstes Kinokomik-Produkt bevorsteht? "7 Zwerge" - ein Film mit OTTO (genau: Otto Waalkes!) und einigen Behelfskomikern. Ob ich irgendwo Humor-Asyl beantragen kann?

2 Punkte - Kritik von Judith Göbel

(*bitte dreimal hintereinander schnell und deutlich nachsprechen. Verschärfte Variante: "Catch-Kissen-Sketch-Skizzen". Ich weiß, das ergibt keinen Sinn, aber mein Hirn muss erstmal wieder zurück in die Halterung kullern.)

Regie: Michael Herbig
Besetzung: Michael "Bully" Herbig, Rick Kavanian, Christian Tramitz, Sky Dumont

  

© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Donnerstag, 29. Juli 2004