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Vergiss mein nicht! -
Eternal Sunshine of A Spotless Mind
Wäre das nicht wunderbar? Nach einer schmerzvollen Trennung die Erinnerung an den verflossenen Partner einfach aus dem
Gedächtnis löschen zu können wie überflüssige Dateien von der Festplatte? Was würde man sich und anderen nicht alles
ersparen! Wochenlanges Dahinvegetieren in abgedunkelten Räumen, Endlosschleifen aus Leonard-Cohen-Liedern, das geistige
Durchspielen von längst vergangenen Beziehungsszenen und die verzweifelte Suche nach dem Punkt, an dem die Liebe zu sterben
begann.
Joel Barish (Jim Carrey) sucht genau nach diesem Zeitpunkt. Denn Joel versteht die Welt nicht mehr. Seine Freundin Clementine
(Kate Winslet), die ebenso durchgeknallt und impulsiv ist wie Joel introvertiert, hat ihn verlassen
– und schlimmer noch: Sie behandelt den Gekränkten wie einen Fremden, amüsiert sich längst mit ihrem neuen Freund, während Joel noch Versuche
unternimmt, ihr Herz zurückzugewinnen. Schnell jedoch erfährt er, dass alle Annäherungsversuche vergeblich sein werden. Denn
Clementine weiß nichts mehr von der Beziehung, sie weiß nicht einmal, dass es Joel Barish überhaupt gibt. Sie hat den Mann,
der zwei Jahre zuvor auf Montauk ihr Herz erobert hat, aus ihrem Gedächtnis eliminiert, mit Hilfe einer
"patientienfreundlichen" Gehirnwäsche, die der brillante Wissenschafter Dr. Mierzwiak (Tom Wilkinson) entwickelt hat. Joel,
der Leidende, entschließt sich ebenfalls zu diesem Schritt.
Zum zweiten Mal nach "Being John Malkovich" haben sich Drehbuchautor Charlie Kaufmann und Regisseur Michel Gondry
zusammengetan, und herausgekommen ist mit "Vergiss mein nicht!" ein wunderbarer Film über die Liebe und ihre Kraft, ein Film
mit so vielen Handlungs- und Zeitsprüngen, dass er am Ende so verschlungen wirkt wie das menschliche Gehirn
– und dabei ist eine seiner Botschaften doch ganz einfach: Der Mensch hängt an seinen Erinnerungen, auch an den schlechten, denn sie haben
ihm zu dem gemacht, was er ist.
Auch Joel will sich im Grunde nicht von seinen Erinnerungen trennen. Als Dr. Mierzwiaks Mitarbeiter Stan (Mark Ruffalo) und
Patrick (Elijah Wood) eines Nachts alle Erinnerungen an Clementine löschen wollen, kommt es zu unerwarteten Schwierigkeiten:
Das Unterbewusstsein des im Narkoseschlaf liegenden Joel rebelliert, es will sich nicht lösen von all den schönen
Erinnerungen an gemeinsame Nächte auf zugefrorenen Flüssen und verspielten Nachmittagen am Strand, an die zärtlichen Momente
am Anfang der Beziehung. Ein vergebliches Bemühen – Schritt für Schritt eliminieren die Wissenschaftler alles in
Joels Kopf,
was mit Clementine zusammenhängt, angefangen von der jüngsten Erinnerung - einem heftigen Streit
– bis hin zur ersten Begegnung. Die Liebesgeschichte erzählt sich rückwärts, während sie gelöscht wird
– ein genialer Einfall des Autors Kaufmanns und nicht weniger hinreißend von dem versierten Videoclip-Regisseur Gondry in Szene gesetzt: Da lösen sich die einzelnen
Bestandteile in einer Szene nacheinander auf, alle Mosaiksteinchen einer Erinnerung verschwinden just in dem Moment, in dem
Mierzwiaks Mitarbeiter gerade jene Gehirnzellen löschen, in denen diese gespeichert war. Koffer, Menschen und Reisetaschen
verpuffen wie Seifenblasen als Joel und Clementine durch die New Yorker Central Station laufen; einmal sitzen die beiden auf
dem Sofa, und ganz allmählich verschwindet Clementine, sie wird "unscharf" und immer verschwommener, bis sie letztendlich
ganz verschwindet.
Auf einen chronologischen Ablauf der Geschichte haben die Macher des Films keinen Wert gelegt, der Zuschauer muss sich völlig
mitreißen lassen von der vor- und zurückspringenden Handlung und von der Tatsache, dass sich nicht nur der Raum ändert, wenn
Joel von einem Ort zum nächsten geht, sondern auch häufig die Zeit. Orientierungshilfe in dem wilden Beziehungskaleidoskop
bieten da nur noch Clementines ständig wechselnde Haarfarben.
5 Punkte - Kritik von Heidi Keller

Regie: Michel Gondry
Drehbuch: Charlie Kaufman
Besetzung: Jim Carrey, Kate Winslet, Tom Wilkinson, Elijah Wood, Mark
Ruffalo
Vom selben Regisseur: Human
Nature
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