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Home >> Kino: Filme > Willkommen in Mooseport

Willkommen in Mooseport

Lassen wir mal das generelle Problem außer Acht, in Zeiten des Schorsch Dabbelju eine fiktive Präsidenten-Satire drehen zu wollen. Die Story des kleinen Mannes, der sich fast aus Versehen mit den Großen anlegt, des kleinen Mannes, der mit mehr Herz als kühl-kalkulierendem Verstand überzeugt und der schließlich zu Einsicht und Erkenntnis bei eben diesen Großen führt, diese Story also ist so durch und durch bewährt, dass sie auch 65 Jahre (!) nach Frank Capras "Mr. Smith Goes To Washington" noch funktioniert.

Monroe Cole (Gene Hackman), der Ex-Präsident der Vereinigten Staaten und von allen ehrfurchtsvoll "The Eagle" genannt, beschließt seinen Altersruhesitz in dem Provinzkaff Mooseport aufzuschlagen. Doch die örtliche Politclique benötigt gerade dringend einen Bürgermeister und überzeugt ihn, sich als Kandidat zur Verfügung zu stellen. Seine Wahl scheint reine Formsache. Doch plötzlich sieht Cole sich mit einem Gegenspieler konfrontiert, der ihm so noch nicht untergekommen ist. Denn Monroe hat den Fehler begangen, sich in die Dauerfreundin (Maura Tierney) des örtlichen Klempners (Ray Romano) zu vergucken, und der denkt im Traum nicht daran, dem Präsidenten kampflos das Feld zu überlassen. Unterstützung bekommt er unverhofft noch von der Ex des Ex...

Schlauerweise haben sich die Macher dieses Films gedacht, dass es Willkommen in Mooseport mit einem einfachen Remake natürlich nicht getan ist, und ein paar "Modernisierungen" eingeführt, man will ja schließlich mit der Zeit gehen. Zum Beispiel haben die Frauen Hosen an und dürfen ein wenig rumfluchen, der Präsident befindet sich in Scheidung (NEIN ! - DOCH!) und der Klempner sieht irgendwie pakistanisch aus. Der Rest der Story aber steckt so tief im Konservatismus, ist so geschickt an allen Kanten vorbeilaviert, so durchkalkuliert selbst in seinen kleinen Provokationen, dass man nur noch ungläubig staunen kann und gegen Ende des Films auch ermattet im Sessel hängt, hadernd mit einer Filmwelt, die einen für blöd verkauft.

Das Gemeine ist, dass der Film tatsächlich über weite Strecken witzig ist. Der ganze Präsidenten-Beraterstab mit seinen unpassenden Überreaktionen, die toughe Ex-Präsidenten-Ex-Gattin, vor der der Gatte noch immer zittert, das OFF-Golfspiel zwischen der Freundin und der Beraterin - das sind treffende Geschichten. Außerdem verfügt der Film - und das ist das Allergemeinste - über ein größtenteils hervorragend aufgelegtes und grundsympathisches Ensemble, bei dem lediglich der Zweithauptdarsteller Romano etwas blass wegkommt, auch wenn er im Presseheft als bekannter "Sitcom-Star" angekündigt wird (manche Sachen gehen einfach an mir vorbei). Damit hat er aber passenderweise genau die Eigenschaften, die auch seine Figur kennzeichnet: Umzingelt von souverän auftretenden Stars repräsentiert er umso mehr den herumgeschubsten Normalbürger.

Aber hinter dem Spaß kommt bekanntlich die Moral, die sich in Sentiment, Belehrungen, Ansprachen, Einsichten und Gewissensbissen äußert. Ja, die Großen haben auch ein Herz, ein Jeder hat seinen ihm zustehenden naturgemäßen Platz, und FrauenWillkommen in Mooseport sind eigentlich immer noch nur auf der Suche nach dem Mann für’s Heiraten, auch wenn sie jahrelang geschwiegen und still gehofft haben. Dem Film fehlt damit jegliche Schärfe, die ihn zur Satire retten könnte. Was bleibt ist ein gefälliger Streifen, der selbst im Weißen Haus auf Wohlwollen stoßen dürfte. Das ist vergleichbar mit hiesigen Karnevalssitzungen, wenn der Mann in der Bütt "denen da oben" ordentlich die Meinung geigt, während die Gemeinten im Publikum sitzen und sich lachend die Schenkel wund klatschen. So amüsieren sich alle und man selbst sollte schleunigst die Flucht ergreifen.

Noch etwas: Derzeit verbraucht sich die Altherrenriege des New Hollywood in äußerst mittelprächtigen Mainstreamproduktionen (siehe Al Pacino in "Der Einsatz" und Robert De Niro in "Godsend"). Ist die Rente etwa selbst für sie nicht mehr sicher? Oder spielen sich solche Projekte einfach zwischendurch mal so weg, ohne dass man sich groß einen Zacken aus der Krone brechen muss?

Wegen solcher Filme hat der liebe Gott den Hass auf Hollywood erfunden.

2 Punkte - Judith Göbel

Regie: Donald Petrie 
Besetzung: Gene Hackman, Ray Romano, Maura Tierney, Marcia Gay Harden 
Länge: 110 Minuten 
Verleih: 20th Century Fox 
Kinostart: 22. Juli 2004 
www.willkommen-in-mooseport-derfilm.de

  

© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Montag, 30. August 2004