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Home >> Kino: Filme > Der WiXXer

Der WiXXer

Ich wollte ihn mögen wollen. Doch leider ist der Film nicht lustig. Filmen über Hungersnöte oder Naturkatastrophen nehme ich fehlende Komik nicht übel, aber bei einer Komödie erwarte ich schon den ein oder anderen Lacher. So ein bisschen Gekichere, leichtes Schenkelklopfen und meinetwegen auch Im-Halse-Steckengebleibe – obwohl da ja eigentlich das Popcorn rein soll.

Ich war sogar schon dabei, andere Leute zum Mitkommen zu überreden: Der Titel solle sie nicht schrecken, sprach ich, das ist doch nur ’ne Reminiszenz. Die Schauspieler sollten sie nicht schrecken, weil neben den doofen Fernseh-Comedians auch echte Talente auftreten würden (Lars Rudolph!). Die überkonstruierte Handlung solle sie nicht stören, sie würden doch auch immer "Tatort" gucken - und überhaupt: Kalkofe wär’s doch, unser Kalki. Also sprach ich, und wie froh bin ich, dass keiner auf Grund dieser Reden mitkam. Was hätte ich wieder Bier spendieren müssen, damit sie’s vergäßen (wie formuliert man das: Vollendete Vergangenheit im Konjunktiv? Vergessen hätten täten, vergössten, vergi... ich bin im Moment überfordert...ach, Grammatik).

Mit sehr viel Sympathie begegne ich einem verbalen Überzeugungstäter wie Oliver Kalkofe. Ein Mann, der begnadet die real-existierende Blödheit der Restwelt wiedergeben kann, der auch noch seine ganze körperliche Erscheinung in den Dienst der Rettung der Menschheit stellt - als wär er der direkte Nachfolger von Bruce Willis, als der noch hart sterben durfte - und dabei mit wesentlich agilerer Physiognomie aufwarten kann. Und tatsächlich: In seiner verschlurften Rolle war er mir einer der liebsten, das sah nach verdammt gutem, jahrelangem method acting aus. Darauf ein Bier.

Aber dann der Film. Seufz. Großer Riesen-Seufzer. Ja, er ist handwerklich sauber, aber das ist in diesem Zusammenhang eine ähnlich unbefriedigende Feststellung, als würde man anmerken, er wäre pünktlich. Denn es gab einfach nichts zu lachen, nur ein- oder zweimal, und worüber hab ich auch schon wieder vergessen. Die Trailer, die im Fernseh liefen, hatten mich noch ziemlich amüsiert. Doch haben diese Trailer den nicht zu unterschätzenden Nachteil, dass sie jegliche Überraschung vorweg nehmen. Aber Überraschung macht Witz aus, ohne Überraschung bleibt’s leidlich humorvoll und von "humorvoll" bekommt man Beulenpest im Hirn. Warum wundert sich Even Longer z.B. erst beim zweiten Mal als er nach Blackwhite Castle fährt, darüber, dass er seine Farbe verliert (eigentlich ein guter, bestechend einfacher Witz). Erzählt man jetzt zuerst die Pointe und dann den Witz? So ging’s die meiste Zeit, die Überraschungen blieben einfach aus. Zwar kann man gute Witze auch bei wiederholtem Sehen noch gut finden, zwar dürfen es auch billige Witzchen sein, schlüpfrige, alberne, sinnlose, dadaistische, alles. Aber bitte bitte bitte (BITTE !) nicht Anke Engelke als quengelnde Sächsin über die Leinwand schicken. Das ist nicht lustig, das wird nicht lustig, das schmerzt an Stellen, die man nicht betäuben kann.

Muss man schließlich noch abgehangene Filme wie "Das Schweigen der Lämmer" und "E.T." zitieren, die mittlerweile doch schon hundertfach parodiert wurden? Lag das Drehbuch schon so lange auf Halde? Hätte es nicht, um im piefig nachkriegsdeutschen Stimmungsbild zu bleiben, eher ergreifender Heimatschnulzen oder "Jerry Cotton"-Filmchen bedurft – oder sind die unzitierbar, weil sich daran kein Zielgruppenschwein erinnert?

Fazit: Das war nix. Bitte noch mal nachschneiden – und auf Amnesie beim Publikum hoffen. Jetzt rettet uns scherzfilmisch nur noch "Periode 1". Ich weiß, da sind lauter Schwulenwitze drin, aber wenn’s die Heteros doch nicht bringen...

2 Punkte - Kritik von Judith Göbel

  

© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Mittwoch, 11. August 2004