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Home >> Kino: Festivals > 1. IFFF 2002

1. Internationales Filmfestival Frankfurt
(vom 9. – 16.01.2002)

Juhuu, Frankfurt hat ein Filmfestival, ein internationales sogar, oui oui, yes yes. Jetzt können die anderen einpacken. Beziehungsweise sich warm anziehen, was sich in Anbetracht der Jahreszeit ja ohnehin anbietet. Denn das ist doch mal wieder typisch: Nur damit man die "1" vor seinen Titel klemmen kann, würden sie glatt den Starttermin ansetzen, kaum dass der letzte Ton von "Dinner for One" verklungen ist.

Bislang gab es lediglich fünfzehnmal die "Filmschau". Aber jetzt gucken wir über den hessischen Tellerrand, jawohl – bis nach Japan. Mindestens. Wenn nicht sogar bis zwischen die Beine von Japan.

Frankfurt will also wieder (internationale) Filmstadt werden. Schließlich hat sich einst selbst Hitchcock selig mal nach Sachsenhausen verlaufen. Und was haben wir heute? Roland Koch, wenn' s hochkommt. Und das kommt es bei dem doch ziemlich schnell. Aber da: Große Namen! Wenders und Scorsese. Der eine macht uns den Schirmherr, der andere kriegt Carte Blanche (nicht zu verwechseln mit Cate Blanchett), was heißt, dass er Filme zusammenstellen darf, die er sich in Frankfurt dann doch nicht angucken will. Aber wir können sagen, dass wir in "Otto e Mezzo" gewesen sind, einem Film, den Martin Scorsese (MARTIN SCORSESE !!!) für uns (UNS !!!) ausgewählt hat.

Wenn man Informationen braucht, geht man ins Internet. Eine Webseite, zwei Adressen: www.filmschau-frankfurt.de und www.ifff.de. Die erste Adresse spricht die Traditionalisten an, die zweite Leute mit klemmender Tastatur beim "f". Man trifft auf Grußworte und Selbstverständnisse, dafür steht nirgends, wo man Karten bekommt bzw. reservieren kann. Deshalb gibt es noch ein Programmheft, das überall ausliegt, das ich aber bis kurz vor Beginn komplett ignoriert habe, weil es wie eine Werbeanzeige auf der Rückseite vom "strandgut" ausschaut. Innen findet man dann auch die vermissten Informationen. Lesen kann man sie allerdings nicht. Dünne Linien streichen die Texte durch und futuristische Überschriften warten aufs Entziffertwerden. Jetzt hoffen die Jungs von Matt bestimmt wieder auf einen Designpreis.

Dafür tun sie aber was für den Sport: Man muss von der Programmübersicht erst nach vorne zum Inhaltsverzeichnis blättern, um dann wieder zur passenden Abteilung zurückzublättern und den richtigen Film zu finden. Damit kann man Strecke machen, wo es eine schlichte Seitenangabe bei der Übersicht auch getan hätte.

Zur Ehrenrettung sei aber gesagt: Die Werbefilmchen, die zwischen den schlechten Serien der Hessen-LateLounge rotierten, und eben auch das Titelblatt des Programms sind wesentlich origineller als all der Scheiß, den die Berlinale bislang so zusammengepfuscht hat. Das kann zwar eigentlich nicht so schwer sein, aber dass es tatsächlich geschehen ist... darauf Zimbelklang und Chorgesang.

In die Vorstellungen kommt man übrigens so: Zur Kasse gehen, eine Karte kaufen, vielleicht noch eine zweite für die Folgevorstellung, ins Kino gehen. Sehr schön. Mit den höheren Weihen der Akkreditierung wird's auch schon wieder komplizierter, jedenfalls für Österreicher. Von denen standen nämlich zwei ältere Exemplare vor der Kasse und hielten eine viertel Stunde lang mittels einer kryptischen Diskussion den Betrieb auf. Trotz fehlender Untertitel ein sehr unterhaltsamer und gänzlich irrsinniger Vor-Film.

Abspielstationen waren das Royal, das Cinema- und das Olympia-Konglomerat. Ich überlege noch, ob das Royal nur als Berlin-Reminiszenz gedacht war, weil Frankfurt zwar einige Großkinos hat, aber um Mitpinkeln zu dürfen doch ein Hauch Kinopalast angebracht erschien, oder ob tatsächlich der Zuspruch das ein oder andere mal größer ausgefallen sein könnte als bei den Vorstellungen, in denen ich war. Denn bei den anderen Stätten konnte man wieder sicher sein: Ja, das ist Minderheitenunterhaltung. Und ich darf dabeisein. Hat so was Exklusives, da brauch ich einfach diese intime Atmosphäre, diese ganz private Tuchfühlung mit der Leinwand. Da stören große Räume nur, diese irritierende Dreidimensionalität, da kommt man sich so .... verloren vor, snief.

Wenn es dann plötzlich groß wird, ist auch die Grenze des Machbaren erreicht, macht euch da nix vor, Jungs. Kann man ja schließlich nicht alles wissen. Zum Beispiel, dass nach den sehr japanischen Filmen der royalen Mitternachtsvorführung feinerweise die Regisseure da sind und sich tatsächlich auch ein Übersetzer einfindet. Aber sollte man nicht einfach mal, nur mal so ins Blaue vermutet, ein Mikro anschließen, damit man wenigstens akustisch verstehen kann, was sich einem auf der Leinwand (und eigentlich auch so) nicht so ganz erschloss? Ne, das üben bis zum nächsten Mal noch?

Es liefen wahrscheinlich über hundert Filme aus bestimmt zweihundert Ländern, und was seh ich? Sechs. Fünf am Samstag ("El mestieri delle armi",  "Hubad sa ilalim ng buwan" (bzw. ein unbekannter Ersatzfilm), "Harvard Man", "Joen" und "Seifuku de daite") und am Sonntag "Guizi lai le". Die Filmauswahl ist vor allem der Zeit geschuldet: Einfach in das gehen, was grad läuft. Meistens weiß man ja eh vorher nicht, wie's wird. Vielleicht nehm ich das nächste Mal Urlaub und danach 'ne Woche Auszeit zum Boppes-Erholen... bis dahin: Weitermachen. Mir die Dauerkarte. Oder Carte Blanche.

PS: Gastkommentator H. aus F. möchte übrigens noch auf zwei Dinge hingewiesen haben (allein um ein paar Verantwortliche zu schmähen und des groben Unfugs zu zeihen):

1. Bei einer Videoprojektionsvorführung im Olympia wurde die Reihenfolge der Kassetten vertauscht. Dies wurde nur deshalb bemerkt, weil man nach dem Abspielen der einen vorhandenen Kassette ein leicht verwundertes Murren und Knurren vernahm, da der Film schon nach 90 Minuten statt der angekündigten 180 endete. Nach energischem Suchen fand man eine weitere Kassette – mit dem Anfang des Films. Also rein damit und so tun als wär nix. Merklich gestört hat's wohl Keinen.
Auch wenn ihr's schon kennt: "Ein Film hat einen Anfang, eine Mitte und einen Schluss, aber nicht unbedingt in dieser Reihenfolge" (Godard). Tja Leute, DAS ist Filmkunst.
HURZ !

2. Bei einer anderen Vorstellung in einem der Micro-Cinemas war dankenswerterweise auch der französische Regisseur anwesend, um noch vor seinem französischen Film ein paar einleitende französische Worte zu sprechen. Das Publikum war ganz angetan von dem netten Herrn und spendete Applaus. Als der Film dann wohl schon eine Weile lief, merkte zumindest der Regisseur, dass das nicht sein Film war. Das Publikum merkte garnichts außer vielleicht, dass es kein Wort Französisch verstand.
Der richtige Film fand sich im Kinosaal nebenan, wo ebenfalls ein Publikum mit Sprachschwierigkeiten saß. Komischerweise ließ man daraufhin die Zuschauer die Säle wechseln, obwohl sie doch ganz zufrieden mit dem Was-auch-immer-gesehenen gewesen waren.
Wenn mir jetzt noch jemand sagen könnte, 1) wie der Film hieß, den ich statt des angekündigten gesehen habe, 2) wer jetzt meinen eigentlich geplanten Film gesehen hat? Bei mir war ja noch nicht mal ein Regisseur anwesend, schnüff...

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© fmp '98, Mail: judithgoebel@web.de; Letzte Änderung: Donnerstag, 03. Juni 2004