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Paddy goes to Holyhead
Ich bin
traumatisiert. Ich war bei einem Auftritt von "Paddy goes to
Holyhead“; ich wollte auf ein Irish-Folk-Konzert und landete bei einer
Pop-Gruppe. Pop. Wann ich das letzte Mal auf einem echten Pop-Konzert war,
mag ich mich garnicht erinnern (1985??? Chris de Burgh??? Ich war jung und ...äh...brauchte kein Geld...).
Was
insofern sehr schade ist, als ich eigentlich die Musik per Cassettenhören
für besuchenswürdig befunden hatte. Nun kann eine Band ja nicht
unbedingt etwas für ihre Fans oder für ihren Auftrittsort, aber sie
schien damit höchst einverstanden zu sein und so nahm das Unglück seinen
Lauf.
Vielleicht
bin ich einfach auch nur frustriert, weil ich nicht dazugehören durfte,
denn ALLE, wirklich alle Anwesenden, KANNTEN ALLE TEXTE. Ich hingegen war froh, dass ich aus der überdrehten Anlage heraus
wenigstens Melodien erkennen konnte (ich getraute mich nicht, die Stöpsel
aus den Ohren zu nehmen).
Die
Stimmung war toll, das Volk hüpfte und schrie, der Sänger machte
Witzchen, die Band spielte hervorragend, Ausgelassenheit allerorten, ein
Hit folgte auf den nächsten und alle durften mitmachen und mitsingen und
mitklatschen und mittanzen und der nächste Hit und jetzt alle, heyheyhey,
sing along, linke Hälfte vom Saal "Ohhhhooohooo", rechte Hälfte
"Ohohooohaaaaa", jetzt Rhythmus, yeah, Whiskey in the Jar und
Feuerzeuge, schunkelschunkel, und jetzt alle "Ohooooohoho", das geht
auch lauter, "OHOOOHOHOO!", und klatschen...WISST IHR, WAS ICH
MEINE?!!!!!
Mit
dreizehn Jahren hätte ich mir so ein echtes Rockkonzert vorgestellt.
Gerade in dem Augenblick, wenn man der "Kelly Family" entwachsen ist
und die Videoversion von "Riverdance" oder "Lord of Dance"
schon ziemlich abgenudelt ist, dann geht man auf so ein Konzert und lässt
mal richtig die Sau raus: Vor mir stand eine blonde Dauerwelle mit
Jeanswestchen, hinter mir kreischte ein Rudel ekstatischer Teenager. Ich
hoffe, ich habe ihnen nicht die Stimmung verdorben. Denn ich war ganz
fasziniert von dem Ordnungshüter neben der Box, der aufgedunsenen
Reinkarnation von Nils Bockelmütze (Ex-Viva-Schlafschlumpf). Wer da ohnmächtig
wird und von ihm über die proforma-Absperrgitter gehoben wird, will nie
wieder aufwachen.
Das "KULT",
die Disco, die der Austragungsort dieses Ereignisses war, weil das "KFZ" zu
klein und unkommerziell ist und die Jahreszeit gerade kein OpenAir zulässt,
löst bei jedem Klaustrophobiker Panik aus, beschert tauben Menschen Glücksgefühle
im Magen und tötet Asthmatiker binnen Sekunden. Nächsten Monat spielen
hier übrigens die Sparks, die SPARKS! Ich glaub, da muss ich hin.
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