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"The
Whisky Priests" im KFZ am 03.05.98
Es
ist ja nicht gerade so, dass sich an diesem Tag die Veranstaltungen in
Marburg so gehäuft hätten, dass man vor lauter Auswahl nicht mehr wüsste, wohin man denn jetzt gehen soll. Gut, es gab da diesen 1.Mai mit
den üblichen Gelagen und dem üblichen breiten Schädel am Tag danach.;
aber jetzt ist schon der dritte, es ist abends halb neun und ein paar
versprengte Gestalten tröpfeln langsam ins KFZ ein.
Hey, die Whisky
Priests spielen, Musik, Volksmusik, schnelle Folkmusik, englische schnelle
folkmusic. Das verspricht ein flotter Abend mit Muskelkater zu werden.
Jedenfalls habe ich mich dazu relativ kurzfristig entschlossen, also keine
großen Erwartungen, außer dass es besser als das Fernsehprogramm werden
wird. Und wo ist das Publikum? Natürlich fangen alle Bands immer später
an als im Programmheft angekündigt, aber die Zeit schreitet voran und ich
als Band würde mich auch weigern vor diesem tapferen, aber spärlichen Häufchen
zu spielen, wenn ich sonst zu Massenmobilisierungen fähig bin. Wir warten
noch ein bisschen und trinken noch ein Bier, damit die Veranstalter auf
ihre Kosten kommen. Solidaritätstrinken, das sind wir der Arbeiterklasse
schuldig und nachher hüpft es sich umso leichter.
Dann
ging’s auch irgendwann los. Der Raum ward doch noch gut gefüllt mit viel
Platz zum rhythmischen Zucken und Arme schwenken und Ausfallschritt. Nach Aufforderung traut sich das Publikum sogar etwas nach
vorne. Ist halt schüchtern.
Und die Gruppe? Die Miller-Brüder und eine Besetzung, die anders
als auf dem Foto ausschaut, was nicht weiter stört, denn sie sind gut. Dass jemand mal behauptet hat, "sie wären eine politische Band",
schränken sie selber ein: "Nur für dieses eine Lied". Wer denn morgen
wieder zur Arbeit müsse, lautet die demoskopische Laienumfrage und drei,
vier verschämte Hände recken sich, der Kommentar wird in einem Dialekt
abgeliefert, den ich nicht verstehe, aber dann singen wir eben das
Kohlenminen-Arbeiterlied und holen uns ein neues Bier.
Warum
sich keine Gewerkschaft solcher Gruppen und solcher Sänger bemächtigt?
Weil Gewerkschaften halt ein bisschen blöd sind. Allein mit seiner Stimme gewinnt Gary Miller jeden
Klassenkampf. Keine Ahnung, wo er das Volumen dazu hernimmt. Vielleicht
von seinem Bruder? Der zeigt uns, dass auch Akkordeonspielen
harte Arbeit ist, die dem Ringkampf gleichkommt. Gut, der Mann. Als dann
alle mitsingen, ist die Stimmung da, wo sie nicht mehr runterkommt, bei
Heiserkeit hilft auch kein Bier mehr.
Nach einer oder doch zwei Zugaben
ist leider Schluss. Halb zwölf und wir hadern, ob wir das restliche Geld
in die ausgelegten Musikträger oder doch lieber ein T-Shirt investieren und
wer verdammt uns noch was pumpen könnte. Schnell noch signieren lassen und mit
einem dämlichen Grinsen nach Hause wanken, bevor das Bier wieder raus
will.
Der Tag ist gerettet, wir
sind alle Helden, und die Revolution ist so gut wie gewonnen.
Mehr Infos:
http://www.whiskypriests.co.uk
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