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OPEN EYES 1999
Insgesamt waren diesmal 76 Filme zu sehen (von 164 eingereichten
Beiträgen). Wem das alles zuviel war, der konnte sich ein paar Tage später im Trauma das
"Best Of" antun, das waren dann immer noch zwölf Stück, und über den
Sauerstoffgehalt des Veranstaltungsraums sollte man sich nicht allzu viele Gedanken
machen, schließlich verbraucht das Hirn davon am meisten.
Da dieses Jahr
ausnahmsweise traumhaftes Wetter war was bei Open Airs ja durchaus für Erfolg oder
Misserfolg ausschlaggebend sein kann hatten die im geschlossenen Raum laufenden
Nachmittagsvorführungen angeblich nicht so regen (haha!) Zulauf. Dafür platzte am
Samstagabend die Amöneburg aus allen Fugen, und imposante Sternschnuppen stahlen so
manchem Kurzfilm die Show.
Hier also eine kleine Auswahl inklusive "Best of"
(x).
A Gaga
"Wir wollen immer noch trashig sein!" Im Zirkel eines häuslichen Videoabends
mit allen Beteiligten und Freunden und Bekannten und einigen Stiegen Büchsbier ist das
auch bestimmt DER Brüller...(stammt übrigens aus dem selben Kollektiv, das auch die
Barbarbar verzapft hat).

Außer Betrieb
(x)
An der Dramaturgie könnte man noch etwas feilen. Ansonsten brauchen wir jetzt nicht
mehr bei der "Sendung mit der Maus" nachfragen, wie ein Geldautomat
funktioniert.
Ausverkauft
(x)
Gequältes Prollen beim Karten-Wollen. Für eine Bestandsaufnahme der Befindlichkeiten auf
der Berlinale aber unverzichtbar.
Cleaner
Am Anfang hab ich noch befürchtet, dass jetzt wieder eine Tarantino-Variation in
Supercool zu sehen sein wird, aber dankenswerterweise will das Filmchen garnicht mehr sein
als eine geradlinige Umsetzung mit Schlusspointe. Fein.
Der Kaffee ist fertig
Von dem Film sind mir besonders die Hauptdarstellerin und die Kamerafrau positiv im
Gedächtnis geblieben, und dass ungefähr vier Leute nacheinander gesprengt werden.
Überfüttert sich etwas an seinen vielen Geschichtchen, die er noch so nebenbei erzählen
will.
Die Barbarbar
"Wir wollen trashig sein!" Seid ihr aber nicht.
(Ihr seid höchstens A Gaga)

El Cordobes
(x)
Schön gemachter, surrealer Film, obwohl ich eigentlich nichts mit diesen altklugen
Regisseur-Platzhaltern im Kinderformat anfangen kann, die mir ihre Sicht des Lebens direkt
in die Kamera erklären.
Explodiert
(x)
Ach ja, die Münchener Filmhochschule. Perfektes Entertainment, reibungsloser Ablauf,
hochwertige Ausstattung, makellose Lichtgestaltung, runde Kameraführung. Ein
bisschen
Parodie, ein bisschen Schräges, ein Hauch Trash. Wer mit Abspännen hantiert, die mit
jeder Großproduktion mithalten können, braucht sich um die Karriere keine Gedanken mehr
machen.
Flexus
Ein sehr konsequent umgesetzter Werbefilm. Laut Auskunft meines Nachbarn aber eigentlich
eine Idee, die lediglich das bekannte Werbemuster des werbenden Baumarktes umsetzt. Das
macht er aber sehr eindrücklich – in genau dreißig Sekunden. Vielleicht muss ich auch
mehr Werbung gucken.
Idölle (x)
Wahrscheinlich ein sehr persönlicher Film, da sich mir nicht erschlossen hat, warum die
Katze bei der umpfda-Teckno-Musik plötzlich so einen melancholischen Raumflug startet.
ICH werde bei sowas depressiv, aber Katzen...? Die abschließende Flucht über die grünen
Hügel ist zu lang, wird aber durch die ausgezeichneten Knetfiguren wieder wett gemacht.

Klöppel
– Bilanz eines Schicksals (x)
Die Idee, eine fiktive Geschichte als authentische Dokumentation auszugeben, ist nun
wirklich nicht mehr neu, aber durchaus ein immer wieder gern gesehenes Vorhaben. Leider
macht der Film den Fehler, diesen Plot zu schnell aufzulösen, und das ist umso
verwerflicher als die Darstellerin der Tochter des Verschwundenen richtig glaubhaft
rüberkommt, und das trotz ihres verschrobenen Outfits. Einmal nachschneiden, bitte.
Knäckebrotkrümel
(x)
Dafür, dass nach ihrem Auftauchen manche Leute glaubten, aus bloßer Knetmasse würden
automatisch ganz tolle Animationen, gehören "Wallace und Gromit" eigentlich
eingestampft oder lieber doch dieser Film. Konsequent dilletantisch bis zur Musik.
Morningstar
Ein Dokumentarfilm, der sich weitgehend auf die unfreiwillige Komik der beobachteten
Personen verlässt. Der Regisseur darf stolz darauf sein – bei allem unverhohlenem
Amüsement und berechnender Auslieferung - eine Form gefunden zu haben, bei der einem das
Durchhaltevermögen seiner Protagonisten echten Respekt abnötigt.
Nachricht des Herzens
Wahre Lieben enden tragisch, komische Lieben auch, komische Filme ebenfalls. Zum Glück
ist dieser Film nicht nur auf die Schlusspointe hin ausgerichtet, sondern erfreut uns mit
liebenswerten Details, auserwählten Zwischentiteln und einer gelungenen Besetzung. Und
außerdem mit der Erkenntnis, dass Schwimmbäder alle gleich aussehen.

Rot ist rot ist rot
(x)
Wenn der Titel noch über eine Seite so weiterginge hätten wir das Filmkonzept. Die
Botschaft ist schneller zu verstehen, aber die Macher wollten ein möglichst umfassendes
Gesellschaftsbild auf der Straße versammeln. Wen symbolisiert der Mann, der die Ampel
therapiert?
Schauen Sie auf das kleine Vögelchen
(x)
Ja, machen wir, juhuuu! Nachvollziehbar für alle, die in Fotoautomaten immer das Gesicht
verlieren. Nett von der Machart und weil er an der richtigen Stelle aufhört.
Schienenersatzverkehr II
(x)
Quoten-Zoni. Bekommt durch die wahrscheinlich zwanzigste Kopie der Kopie der VHS-Kopie
etwas eigentümlich Experimentelles. Die da drüben sind aber auch zu goldig. Wir warten
mit bangen Herzen auf die restlichen Teile.

Schlafmann
Hach, was wurden wir schön eingelullt. Man hockt auf harten Holzbänken, doch fühlt man
sich wunderbar geborgen und bekommt diese dämliche Lächeln ins Gesicht. Kuschelig.
Schwimmen
(x)
Dieser Film lief letztes Jahr schon in Weiterstadt, ist aber immer noch ganz wunderbar.
Ein Text als wäre Thomas Bernhard wieder auferstanden. Ich will übrigens sofort wissen,
wo dieses alte Schwimmbad ist und wie man da rein kommt.
Sind Sie Luigi?
(x)
Hat schon einen Preis bekommen. Darf er auch. In der Abschlusssequenz zum Baum setzen
Musik und Fahrt einen Tick zu spät ein. Korinthenkackerei ist klasse. Da kann man sich so
reinsteigern. Über Jahre.

Space Fruits
Wenn Studenten der Medienwissenschaft Computer haben...
Think positive!
Wenn zwei Männer an einem Tisch sitzen und dummes Zeug labern, muss ich augenblicklich an
Jim Jarmuschs "Coffee and Cigarettes" denken. Wahrscheinlich ist das das
Basis-Set für aufstrebende Jungregisseure.
Vogelperspektive
"Tschilp!" erst mit "Hilfe!" und dann mit "Mich kriegst du nicht
klein du Mensch!" zu untertiteln halte ich aus linguistischer Sicht für
bedenklich. Echte Handarbeit. Tapfer.
Woanders
Sollte dieser Film in Zahnarztwartezimmern laufen, werden entweder die Zahnärzte
arbeitslos oder die Drogendealer, da er zeigt, dass die beste Dröhnung immer noch aus dem
eigenen Kopf kommt. Kopf- und Handarbeit.

Filmfesttrailer
Auf einem Filmfest der Filmfest-Trailer käme dieser Film auf den Zweiten Platz der
Goldenen Himbeere. Er wird nur vom Berlinale-Vorspann
übertroffen. Aber der ist eine professionelle Peinlichkeit, während diesem hier trotz
netter Idee jegliches Timing und jedwede Dramaturgie fehlt. Oder sind das bloß die
propagierten neuen Sichtweisen?
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