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Jenseits der Wahrnehmung:
Der Regisseur Ben Albiòn
Einleitung
Ben Albiòn wurde ca. 1940 in der Nähe von Santiago de Chile geboren. Seine Eltern wanderten nach dem Krieg in das Heimatland seiner Mutter aus bzw. zurück:
Deutschland. Kurz darauf verstarb der Vater. Dessen Leiche verschwand aus ungeklärten Gründen auf der Überfahrt von Hamburg nach Chile, wo sie in seinem Heimatort hätte begraben werden sollen. Gerüchten zufolge hatte sich die Militärdiktatur eingemischt, zu welchem Zeitpunkt
lässt sich allerdings nicht sagen.
Albiòn wandte sich der filmischen Kunst erst auf Drängen seiner Tante zu, einer Varieté-Diva alten Schlags, die so noch einmal dem Zauber des Glamour nachspüren wollte und sich als Hauptdarstellerin zur Verfügung stellte. Trotz einer von ihr gestifteten 8mm-Kamera, enttäuschte Albiòn sie auf ganzer Linie und stellte daraufhin erstmal jegliches Kunstschaffen für die Öffentlichkeit ein. Insider vermuten trotzdem noch den ein oder anderen Schatz aus jener Zeit in seiner verriegelten Vorratskammer. Als sich die Tante mit einem Sprung von der Rheinbrücke bei Mainz 1965 das Leben nahm, richtete Albiòn laut Augenzeugen doch noch ein letztes Mal seine Kamera auf seine einst berühmte Verwandte. Das Material bekam aber niemand zu Gesicht, über den Verbleib der kurzen Filmrolle schweigt sich der Meister bislang aus.
All diese Ereignisse (und noch einige andere) mögen dazu beigetragen haben,
dass sich Albiòn zunehmend surrealistischer Darstellungsformen und Themen in seinen Filmen bediente. Die Vermischung von Fiktion und Realität, traumhaften und phantastischen Einbrüchen in scheinbar "wahre" Geschichten sind auch Teil seiner sich verselbständigenden Biographie, die sich dem ordnenden Blick der Filmwissenschaft bisher weitgehend entzogen hat. Diesem
Zustand soll nun
ein wenig Abhilfe verschafft werden.
Erstmals soll eine höchst lückenhafte Filmographie Aufschluss über Motive und Stil, Absichten und Hindergründe
geben. Die einzelnen Abhandlungen werden im Laufe der Zeit ergänzt von Interviews mit Beteiligten, seien es die unmittelbar am Film Mitwirkenden oder Personen aus dem
unübersichtlichen Bekanntenkreis Albiòns, die Hinweise zur persönlichen und künstlerischen Entwicklung geben
können. Die facettenreichen Schilderungen und lebhaften Erinnerungsfetzen lassen eine nahezu unbekannte Person nun endlich Gestalt annehmen.

Die Herkunft
"Von Chile weiß ich nichts, von Andorra könnte ich mehr erzählen, das hat mehr Buchstaben." Alles spricht dafür,
dass Ben Albiòn auch nicht viel über China zu sagen hätte. Bislang hat ihn aber auch niemand danach gefragt, und er fragte auch niemanden. Sein genaues Geburtsdatum ist ihm bis zum heutigen Tage unklar, da sich seine Mutter nie freiwillig dazu äußerte und möglicherweise einst existente Dokumente im Verlauf der Ereignisse verloren gingen. "Ich wette, sie hat nachgeholfen. Sie hat immer irgendwelche Zettel zerrupft. Vielleicht ging so auch mein Vater verloren, also nachdem er gestorben war. Eigentlich wollte er in der Heimat begraben werden. Nachdem meine Mutter ihm das nicht mehr ausreden konnte, nahmen die Dinge ihren Lauf. Ich rechne fest damit,
dass eines Tages der Sarg meines Vaters vor meiner Tür landet mit der Aufschrift "Nicht zustellbar". Dann
muss ich zum Nordhorner Friedhof tapsen und Zwiesprache mit Mama halten. Ich hoffe, sie gibt mir ein Zeichen, das mich nicht allzu sehr erschreckt."
Albiòns langjähriger Kameramann Karl "Jupp" Chivas meinte dazu in einem Interview,
dass Albiòn so chilenisch sei "wie eine gebrannte Mandel auf dem Nürnberger Weihnachtsmarkt". Recherchen ergaben daraufhin,
dass die Mandeln aus Süditalien stammten, der Eigentümer der Plantage aber chilenische Gastarbeiter bei der Ernte angestellt hatte. Hier verläuft sich die Spur, und mag daher auch als Zeichen für Albiòns dubiose Herkunft gelten. (wird
fortgesetzt....)

Filmographie
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"PS: Komme heute" (1964), unvollendet
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"Keine Aussicht" (1964), unvollendet
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"Jenseits der Bahnlinie" (1985), 86 min.
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"In Bramabant" (1986), 135 min.
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"Etcetera" (1987), 96 min.
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"Blumbach" (1987), 89 min. bzw. 113 min.
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"Keine Aussicht II" (1991), 12 min.
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"Die Ahnungen des Mario de Sica" (1993), 93 min.
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"Raphaels
Zone" (1996), 84 min.
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"Es zieht in Berlin" (1999) 93 min.
Ben Albiòns Lieblingswitz
(sollte man immer erzählen, wenn man gezwungen wird, einen Witz zu erzählen)
Kneipe draußen auf dem Land. Rappelvoll. Zigarettenrauchschwaden. Ein Fremder kommt rein. Er setzt sich zu den Anwesenden an den Tisch. Gesellig plaudert man über dies und das. Irgendwann schlägt einer vor: "Komm, lass uns ein paar Witze erzählen."
Sagt der Fremde: "Oh, lieber nicht. Immer wenn ich einen Witz erzählen muss, geht die Tür auf, ein Zwerg kommt rein, geht dreimal um mich herum und kotzt mir auf die Füße."
Die anderen sind etwas betrübt, akzeptieren das aber. Der Fremde muss mal aufs Klo und geht nach hinten.
Sagt der Erste : "Du, der hat uns aber eben ganz schön verarscht."
Sagt der Zweite: "Glaub ich nicht, sonst wär' ja der Zwerg reingekommen."
BRUHAHA....

Weiterführende
Literatur
Institut für Angewandte Kommunikation:
Studien zum Querulanischen Film. Marburg Mitte. 1997.
Martin Juhlbecker:
Details werden nicht geklärt. In: Frankfurter Rundschau. 05.04.98; S. A3.
Marburger Schriften:
Tiefenhermeneutik im anthroposophischen Licht der Divergenz. Frankfurt am Main. 1997.
Mehr als Thymian und Oregano. Zur Geschichte des italienischen Kräutergartens. In: Mein Garten und Ich. S. 34-37. Stockholm. 1997.
Art Wenderley:
Architektur im Zeitalter der Wale. New York. 1996

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