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Erste Reihe – Ein Kurzfilm
Die Handlung spielt in einem kleinen Fernsehstudio. Es handelt sich um eine Art Spielshow im Privatfernsehen. Das ganze sollte nicht allzu hysterisch rüberkommen, keine Kreisch-Brüll-Schlampen-Show, sondern eher etwas bieder. Der schon etwas ältere Moderator strahlt Seriosität und Tatkraft aus. Das Publikum ist bunt gemischt und begeisterungsfähig.
Die Show sollte weitgehend so gefilmt werden, wie sie auch im Fernsehn laufen könnte. Das heißt, alles ist gleichförmig hell ausgeleuchtet, der Moderator spricht direkt in die Kamera und auch das Publikum darf in die Kamera winken.
Die Werbepause geht gerade zu Ende. Der sendereigene Trailer macht Werbung für sich selbst:
"Sat 7 – schau mal einer an!"
Überblende in das Studio. Die Kamera fährt durch den Zuschauermittelgang auf den Moderator zu.
Moderator
Hallo, liebe Gäste, da sind wir wieder. Schön, dass Sie noch alle da sind.
Applaudierende Zuschauermenge.
Moderator
Wir kommen zu unserer letzten Runde. Erinnern Sie sich noch an Ihre Schulzeit? An all die Streiche? Ja?! Aber was ist heutzutage an den Schulen los? Passiert da noch was? Das wird uns gleich Silvie zeigen. Silvie ist acht Jahre alt und geht in die dritte Klasse der Schmolkeschule. Hallo Silvie!
Begrüßungsapplaus. Tapfer tritt Silvie von hinten auf, die Hände hinter dem Rücken. Sie ist ein etwas pummeliges Mädchen mit schiefer Brille, Hau-weg-Frisur und abgetragenen Woolworth-Klamotten.
Silvie (schüchtern)
Hallo.
Moderator
(zu Silvie) Silvie, schön, dass du da bist.
(zur Kamera) Silvie hat ein Problem. Sie versteht sich nicht besonders gut mit ihren Mitschülern. Falsche Klamotten, falsches Aussehen und besonders helle ist sie auch nicht. Sie bekommt da auch keinerlei Unterstützung von ihrer Klassenlehrerin. Dabei bräuchte sie die gerade in ihrer Klasse ganz ganz dringend, in der Klasse 3d der Schmolkeschule...
Etwas im Hintergrund öffnet sich ein Vorhang. Auf einer kleinen, nach hinten ansteigenden Tribüne sitzen ca. 20 schnöselige Grundschüler, die Lehrerin ganz oben an der Seite. Alle halten Schilder mit Nummern in den Händen. Sie freuen sich, im Fernsehn zu sein.
Moderator
Silvie, zeig mal, was du mitgebracht hast.
Silvie zieht hinter ihrem Rücken eine Pumpgun hervor und lächelt schüchtern. Applaus im
Publikum, anerkennendes Nicken.
Moderator (sehr exakt)
Soooo, Silvie hat fünf Schuss. In ihrer Klasse sind 23 Schüler und Schülerinnen und eine Lehrerin. Wen wird sie treffen? Bitte wählen sie
– JETZT !
(er deutet in die Kamera)
Die Zuschauer füllen eifrig Kärtchen aus. Manche werfen prüfende Blicke auf die Klasse, beraten sich untereinander oder lassen sich nicht ins Kärtchen gucken.
Die Schüler sind leicht irritiert, winken aber noch unverdrossen weiter oder versuchen, cool zu wirken.
Moderator
(schaut ins Publikum) Haben Sie gewählt? Alles klar.
(zu Silvie) Silvie? Bitte sehr! (er tritt ein paar Schritte zurück)
Silvie legt ohne zu zögern an und feuert souverän nacheinander fünf saubere Schuss in die Klasse. Man hört, dass sie trifft. Die Kamera bleibt aber ganz nah bei ihr dran.
Zuschauerin
Bingo! (springt auf und wedelt mit ihrer Karte)
Es gibt begeisterten Applaus aus dem
Publikum. Man sieht kurz, dass fünf Schüler zusammengesackt sind. Die anderen sitzen erstarrt und haben Blutspritzer abbekommen, einer hat noch die Hand zum Winken erhoben.
Moderator
Bingo? Hör ich da richtig? Kommen Sie bitte herunter!
Die Zuschauerin kommt runter zur Bühne. Der neben ihr sitzende Ehemann schaut ihr bewundernd nach. Weiterhin Applaus. Einige Zuschauer machen "Ach Mist, vorbei"-Gesten. Die Zuschauerin übergibt dem Moderator das Kärtchen. Er vergleicht das Ergebnis mit einem kurzen Blick zur Schulklasse. Der Vorhang vor der Tribüne schließt sich schnell.
Moderator
Wunderbar, alles richtig. Sie heißen...?
Zuschauerin
Erika Schwarz. Aus Altenhofen. Ich grüße meinen Mann. Heiiinz, huhu.....
(winkt hoch)
Ihr Ehemann winkt mächtig stolz runter.
Moderator
Herzlichen Glückwunsch, Frau Schwarz. Auch an dich Silvie, herzlichen Glückwunsch, saubere Arbeit.
Silvie steht leicht errötend mit der rauchenden Pumpgun daneben. Zwei Polizisten kommen, nehmen sie in die Mitte und schleifen sie nach hinten weg.
Moderator (legt einen Arm um die
Zuschauerin)
Frau Schwarz, Sie reisen am 10. März in unsere schöne Landeshauptstadt. Zusammen mit Ihrem verehrten Gatten erwarten Sie dort zwei Tage Vollpension inklusive Gala-Essen im Hotel Astor und ein Platz in der ersten Reihe bei Silvies Hinrichtung. Ist das was?!
Zuschauerin (kann ihr Glück kaum
fassen)
Oh toll!
Rauschender Applaus. Immer lauter werdende Musik setzt ein. Der Abspann rast am unteren Bildrand durch.
Moderator (gegen den Krach
anrufend)
Ja, meine Damen und Herren. Das war's mal wieder für heute. Ich hoffe, es hat Ihnen gefallen. Wir sehen uns
– wenn Sie wollen – nächste Woche wieder. Dann live aus der Ochsenburger Schweineschlachterei und mit dem Herrenhäuser Knabenchor. Und ich kann ihnen versichern: Es wird wieder ....
(mit beiden Armen Richtung Publikum deutend)
Alle
...SUPER !!!!
Moderator (gegen den Krach
anrufend)
Vielen Dank, guten Abend, tschüß.....
Der Ton wird immer leiser, das Bild immer kleiner, bis nur noch ein Glimmen in der Bildschirmmitte zurückbleibt.
FERTIG

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